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Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
Seite
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Menschenfresserei im Archipel.

Viel anderes als Trepang wird vorderhand auf St. Matthias nicht zu holen sein. Indessen ebenso wie heute hier, lagen zur Zeit der ersten Entdeckungen die Verhältnisse auch auf allen anderen Tropeninseln, und doch sind diese im Laufe des letzten Jahr­hunderts zu blühenden Kolonien geworden. Hoffentlich wird auch mit St. Matthias dasselbe der Fall sein.

Als erste Folge unseres Besuches hat die Firma Hernsheim L Co. auf der süd­lichsten Inselgruppe eine Handelsstation mit einem weißenTrader" errichtet, der bei der Erbauung seines Hauses, ebenso wie auch später, von den Eingeborenen nicht belästigt wurde.

Menschenfresserei im Archipel.

verhältnismäßig günstigen Ergebnisse der vorgeschilderten Expedition mögen auch ^/für den deutschen Forscher Bruno Mencke Veranlassung gewesen sein, einige Monate später mit seinem Schiffe Eberhard (frühere DampfjachtPrinzessin Alice" des Fürsten von Monaco) nach St. Matthias zu fahren, um die große. Hauptinsel zu durchforschen. Das'traurige Schicksal dieser Expedition ist bekannt: Mencke und einer seiner weißen Begleiter, Herr Caro, sielen den Kannibalenspeeren bei einem heimtückischen Ueberfalle sofort zum Opfer, auch von seinen Schutzmannschaften wurde eine beträchtliche Anzahl getötet und gefressen. Mencke, der erst zwei Tage nach seiner Verwundung starb, konnte den Kannibalen noch rechtzeitig entrissen werden. Die Leiche Caros indessen war ver­schwunden und mag wohl gleichfalls den Eingeborenen znm Schmause gedient haben.

Das bringt mich auf ein trauriges Kapitel, die Menschenfresserei, die, so unglaublich es scheinen mag, heute noch trotz aller möglichen Maßnahmen der Regierung im ganzen großen Bismarckarchipel allgemein verbreitet ist, ja es ist eine dort wohl von allen weißen Einwohnern anerkannte Thatsache, daß es unter der Viertelmillion Kanaken, welche den Archipel bewohnen, keinen Mann im reifern Alter geben dürfte, der nicht schon Menschenfleisch gegessen Hütte! Es handelt sich dabei nicht etwa allein um den Kanni­balismus früherer Zeiten, vor der Einsetzung einer Regierung durch das Reich, sondern um die Gegenwart; nicht allein um vereinzelte Fülle, sondern um Menschenschmause, die in verschiedenen Teilen des großen, weit ausgebreiteten Jnselgebietes allwöchentlich, wenn nicht alltäglich stattfinden.

In einem eben erschienenen Buche über Deutsch-Neuguinea sagt der Verfasser u. a. in Bezug auf Neupommern:Die Thatsache ist da, über das Wann, Wie und Wo ist man auch im Schutzgebiete meines Wissens noch völlig im unklaren" Das ist ein Irrtum, man ist sich in Neupommern, der größten Insel des Bismarck- archipels, über das Wann, Wie und Wo der Menschenfresserei vollständig klar. Sie ist noch heute sogar auf dem von vielen Weißen bewohnten nördlichsten 'Teile von Neu- pommern, auf der Gazellenhalbinsel allgemein verbreitet, Menschenfresserei, ausschließlich