Druckschrift 
Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea : drei deutsche Kolonien in der Südsee ; mit 36 Vollbildern, 113 im Text gedruckten Abb. u. 2 Kt. / von Ernst von Hesse-Wartegg
Entstehung
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Geselliges aus Neupommern.

^H-ou der Kaserne, bei welcher noch einige andere Regiernngsbanten stehen, führt c>>: Fahrweg durch die ausgedehnten schattigen Palmenplantagen der NengniW Gesellschaft anf den Hügel, wo das Privathaus des Gouverneurs sich erhebt. Ach Fahrweg, ebenso wie die anderen Wege und Straßen um Herbertshöhe, ist nicht etm gepflastert, sondern mit Gras bewachsen, und man führt darauf wie auf einem lveichen grünen Teppich umher. Steinpflaster würde sich auf dem lockeren Boden bei anhal­tendem Negenwetter doch nicht halten. Uebrigens sind alle diese Wege, auf Meilen in der Runde, vortrefflich gehalten, zu beiden Seiten eingehegt und bepflanzt, dazu auch schattig.

Das Gouverneurpalais zeichnet sich mehr durch seine schöne Lage, als durch archi­tektonische Vorzüge aus. Es ist ein aus Holz gebautes Bungalow mit einer breite» schattigen Veranda ringsum, eingedeckt durch ein Wellblechdach. Aus Holz müssen die Häuser in Herbertshöhe gebaut werden wegen der häufigen, mitunter recht heftige» Erdbeben, deren ich selbst während drei Wochen mehrere erlebte. Die Wellblechdücher, obschon gegen die Wärme wenig Schutz gewährend, sind eingeführt, um das Regenwasfer abfangen zu können, denn es mangelt an Flüssen und Brunnen, ein großer Nachteil dieses sonst so reich gesegneten Fleckchens Erde.

Die mit schönen orientalischen Teppichen geschmückte Veranda dient als Empfange saal, der sich daranschließende große Raum als Arbeitskabinett und Speisesaal; dahinter liegt das Schlafzimmer des Gouverneurs und ein Gastzimmer. Wie bei allen Bunga­lows von Herbertshöhe, so schließen sich auch hier an. das Haupthaus allerhaud Neben­gebäude, Bade- und Waschhaus, Küche, Wein- und Vorratskammern au, wo ei» chinesischer Koch das Regiment führt und mit dem malaiischen Kammerdiener, den kana- kischen Hausarbeitern und Wäschern energischer zu Werke geht als der Gouverneur mit seinen Polizisten. Der bezopfte Cooky, übrigens ein köstlicher Kerl, setzt seinen ganzen Stolz darein, die Gäste desMaster Gobanor" durch seine kulinarischen Genüsse glauben zu machen, sie befänden sich bei Dressel Unter den Linden; den Rest feiner Feit verwendet er zum Besten des deutschen Schutzgebietes in der Südsee, indem er mit mütterlicher Sorgfalt die Enten, Gänse, Tauben seines lüZ umgters behütet und zur Vermehrung anregt. Geflügel gedieh nämlich bisher in Nenpommern nicht sonder­lich, und der Gouverneur importiert deshalb auf eigene Kosten alle Arten Federvieh aus den holländischen und englischen Kolonien, um damit so lange zu versuchen, bn er eine widerstandsfähige Rasse herausgefunden hat. Dank der Bemühung seines Cool» kräht und gackert und schnattert es auf seinem Hühnerhofe tagsüber schon rech! gewaltig. Aber Cookh ist noch nicht zufrieden. Keines der nach Hunderten vorhandene» Eier darf von seinem bi§ nEtsr zum Frühstück verzehrt werden, und wehe der Henne, die etwa einem Hahn nachlaufen sollte, ehe sie nicht das letzte Ei ausgebrütet hat Cooky packt sie unsanft bei den Flügeln, setzt sie auf ihre Nachkommenschaft und klappt