Die Zukunft von Neuguinea.
(H^on den Kolonien des Deutschen Reiches ist in den letzten Jahren Wohl keine so ^)heftigen Angriffen ausgesetzt gewesen, bei keiner wurde die Verwaltung so sehr getadelt und alle Arbeit als so aussichtslos bezeichnet, wie es in Bezug auf Neuguinea der Fall war. Diese Angriffe wurden zunächst wohl durch die ungünstigen Nachrichten über die Maßregeln der Neuguinea-Gesellschaft in dem ungeheuren ihrer Verwaltung unterstehenden Gebiete von Kaiser-Wilhelmsland hervorgerufen; dazu kam die große Sterblichkeit unter den weißen Beamten, der Arbeitermangel, Kämpfe mit den Eingeborenen und schließlich der geringe Ertrag der verschiedenen, mit so großen Kosten verbundenen Unternehmungen. Wer sich indessen mit Neuguinea eingehender beschäftigt und die ersten Jahre seiner Erschließung und Entwickelung verfolgt hat, wem es vergönnt war, das bisher dort Geleistete selbst in Augenschein zu nehmen und mit anderen Tropenkolonien zu vergleichen, der wird gewiß von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß das Deutsche Reich mit dem Kaiser-Wilhelmsland ein künftiges deutsches Java oder Cnba von der anderthalbfachen Ausdehnung dieser Inseln gewonnen hat.
Seinem ganzen Charakter nach kann Neuguinea viel eher ein Kontinent als eine Insel genannt werden, mit Gebirgen, die bis an fünftausend Meter Hohe erreichen, wie das Lismarckgcbirge, mit Flüssen, die auf weite Strecken für Dampfer befahrbar sind, mit ulsgedehnten, nngcmcin fruchtbaren Ebenen und zahlreichen, vorzüglichen Häfen. Mit eder aus dem Innern dieser terru ineoZnim zurückkehrenden Expedition erweitern sich insere Kenntnisse und verstärken sich die Aussichten auf eine glänzende Zukunft. Jedes oahr bringt reichere Erfahrungen in Bezug auf Klima, Bodeuverhültuisse, Fruchtbarkeit, lud man kann sich heute schon ein halbwegs richtiges Bild des großen deutschen Vesitzes in Neuguinea entwerfen.
Schon ein Blick auf die Karte zeigt, daß Kaiser-Wilhelmsland ähnliche klimatische Verhältnisse haben muß wie die in denselben Breiten liegenden Jnselreiche des hollän- ischen Kolonialbesitzes, und die bisherigen Beobachtungen haben diese Annahme vollauf estätigt, denn die mittlere Jahrestemperatur betrügt wie dort scchsnndzwanzig Grad ielsins mit nur geringen Schwankungen. Wohl steigt die Hitze bis auf fünfnnddreißig nd sechsunddreißig Grad, aber solche Tage kommen nicht häufig vor, und der Hitze es Tages steht eine angenehme Kühle während der Abend- und Nachtstunden gegenüber. )nrch den Einfluß des Meeres und der Gebirge ist der Negenfall reichlich und auf as ganze Jahr verteilt, denn es regnet auch während der sogenannten trockenen Jahres- eit. In den großen Ebenen, welche von dem Kaiserin-Augusta- und dem Namnflnß nrchströmt werden, beträgt die jährliche Regenmenge gegen zwei Meter, ist also für Tropenpflanzen vollständig hinreichend. Dazu ist der Bodeu auf zwei bis drei Meter llefe Alluvium, stark mit Humus uud Thou vermengt, und von solcher Fruchtbarkeit, aß wohl auf Meuscheualter hinaus keine künstliche Düngung erforderlich sein dürfte.
Ungeheure Urwälder bedecken den größten Teil des jungfräulichen Bodens; wo immer er Urwald ausgerodet und durch Pflanzungen ersetzt wurde, war das Ergebnis sehr