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Von Singapore nach Neuguinea.
bewohnenden Fische, in allen Farben des Regenbogens prangend, der Seesterne, Holo- thnrien, Muscheln n. dergl.? Welche Stunden voll Entzücken und Bewunderung, welches Aufjauchzen des ganzen Seins, welches Schwelgen im Genuß dieses üppigsten, lieblichsten, schönsten Erdenfleckchens zu Füßen des dröhnenden, finsteren, rauchenden Riesen- vnlkans Gunong Api! Fast schmerzlich empfand ich es, daß ich allein all diese Pracht sehen sollte, daß nicht Tausende anderer um mich herum waren, um sich mit mir an diesem Anblick zu freuen. Und als ich endlich abends, gerudert von freundlichen, dienstwilligen Eingeborenen, nach dem Schiffe zurückfuhr, dessen blendendweißer Rumpf in der rasch einbrechenden Dämmerung noch erkennbar war, da, ich wollte meinen Ohren nicht trauen, hörte ich aus der Ferne liebliche Kinderstimmen eine alte deutsche Volksweise singen. Fürwahr, der Gesang scholl vom Bord der Stettin zu mir herüber. Nasch die Fallreep emporeilend, sah ich etwa dreißig bis vierzig junge Mädchen, die unter Führung einer ehrwürdigen Matrone gekommen waren, um das Schiff zu besehen. Der wackere Kapitän hatte sie durch das ganze Schiff geleitet und mit Thee und Kuchen bewirtet, und aus Dankbarkeit hatten sie ihm dieses harmlose Ständchen dargebracht.
Der dunkle Kontinent der Südsee.
uf der Fahrt nach Neuguinea ist Bauda der östlichste Hafen des Molukkenmeeres, wo 'V^der Reisende noch einzelne Europäer antrifft. Dort nimmt er Abschied von allen Segnungen der abendländischen Kultur und gelangt in vollständig wildes, großenteils noch unbekanntes Gebiet. Tausende von Inseln, die dort zwischen den Philippinen und dem dunklen Kontinent der Südsee, Neuguinea, liegen, sind noch niemals von Europäern besucht worden, viele haben noch nicht einmal einen Namen erhalten, und die Schiffsexpeditionen, die im Laufe der drei letzten Jahrhunderte dorthin unternommen wurden, lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Niemand kannte sie, niemand kümmerte sich um sie, niemals wurden Vermessungen unternommen, ja nicht einmal ihre genaue geographische Lage ist bestimmt, und da Hollands Kolonialbesitz ihnen zunächst liegt, so hatte niemand etwas einzuwenden, als Holland diese Inseln und Jnselchen rot-weiß-blau umränderte, ohne von vielen thatsächlich Besitz genommen zu haben.
Was diese Inseln enthalten, ob sie bewohnt sind oder nicht, wer kann es sagen'? Selbst auf der holländischen Hülste von Neuguinea ist noch alles in Dunkelheit gehüllt, und das ganze ungeheure Gebiet, an Größe vier Fünfteln des Deutschen Reiches gleich, zählt noch keinen einzigen weißen Einwohner. Holland hat für den östlich von Banda gelegenen Teil seines Kolonialreiches bis jetzt noch nichts gethan, es ist auch gar nicht im stände, diesen Kolonialbesitz aus eigenen Kräften zu entwickeln,