Vorwort
Die wichtigsten Ereignisse in der kolonialen Entwickelung des Deutschen Reichs während der letzten Jahre haben sich in der Südsee abgespielt. 1899 wurden die Schutzgebiete der Neuguinea-Kompagnie, Ländereien von beiläufig der halben Größe des Deutschen Reichs, von dem letzteren übernommen; in demselben Jahre wurden die Karolinen, Marionen und -Palaninseln erworben, und 1900 fielen die Hauptinseln von Samoa an das Reich. Durch diesen großen Lünderbesitz, durch die wirtschaftlichen Interessen und den auch auf fremden Gebieten des Stillen Ozeans vorherrschenden deutschen Handel und Schiffsverkehr ist Deutschland in der Südsee zur Vormacht geworden.
Das lebhafte Interesse, das in allen Kreisen der Bevölkerung des Reichs diesen neuen, in jeder Hinsicht höchst merkwürdigen und eigenartigen Kolonien entgegengebracht wird, ist im letzten Jahre allerdings durch die bekannten Ereignisse in China etwas abgelenkt worden. Jetzt aber werden die neuen Besitzungen in der Südsee desto lebhafter in den Vordergrund treten. Mit Recht drängen sich die Fragen auf: Was sind die zum Teil mit großen Opfern erkauften neuen Jnselreiche wert? Was bedeuten sie für die Machtstellung des Reiches? Wie hat die Einsetzung der kaiserlichen Regierung die Verhältnisse beeinflußt? Welche Aussichten bieten sich dort für den Kapitalisten, den Pflanzer und Kaufmann?
11m mir die Beantwortung dieser Fragen an Ort und Stelle selbst zu holen und dabei ein mir noch unbekanntes Gebiet des Erdballes kennen zu lernen, wählte ich vor zwei Jahren für meine dritte Reise um die Welt den Weg von Penang aus durch das große holländische Kolonialreich, wo ich einige Monate verweilte, nach Deutsch- Neuguinea und dem Bismarckarchipel, in welchem ich dank verschiedener günstiger Umstände Gelegenheit fand, dort alle größeren Handelsstationen, Missionen und Plantagen zu besuchen. Von ganz besonderem Interesse war die Expedition über Nenmecklenburg und Neuhannover nach der bis dahin von keinem Weißen betretenen Inselgruppe von St. Matthias, welche S. M. S. „Seeadler" unternahm, und ich bin dem Kommandanten dieses Schiffes, Herrn Kapitän Schack, zu tiefem Dank verpflichtet dafür, daß er mir gestattete, mich der Expedition anzuschließen, sowie die Weiterfahrt nach Samoa mitzumachen. In ähnlicher Weise schulde ich meinen wärmsten Dank den kaiserlichen Gouverneuren und Beamten der genannten Kolonien, den Leitern und Angestellten der Neuguinea-Kompagnie, sowie der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft in der Südsee,