Druckschrift 
Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

Anlage 9.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 1044. 15.

Bezirkskommando. Verhandelt! Flensburg, den 26. März >916.

Gegenwärtig: 1 § vormittags.

Gerichtsoffizier: Hauptmann Graef,

Gerichtsschreiber: Bezirksfeldwebcl d.. L. II Staatsanwaltschaftsassistent Oeverdieck.

Es erschien als Zeugin die nachbenannte Person.

Nachdem sie mit dem Gegenstände der Untersuchung bekannt gemacht und aus die Bedeutung des nach ihrer Vernehmung zu leistenden Eides hingewiesen worden war, wurde sie wie folgt vernommen:

Zur Person: Ich heiße Sophie Stange, geb. Schmidt, bin 27 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Flensburg, Apenrader Straße 10.

Zur Sache: Ich bin am 28. August 1914 in Atakpame gefangengenommen worden.

Nach dem Abendbrot wurden wir von Hauptmann LetlrerrU in die Faktorei von Bödecker L Meyer gebracht, wo wir leidliche Unterkunft hatten. In der Nacht hielten Schwarze vor unseren Türen Wache.

Am 29. August 1914 wurden alle Deutschen mit der Eisenbahn nach Lome geführt. Die Reise dauerte 3 Tage. Die Engländer hatten es an genügendem Pro­viant fehlen lassen, wir bekamen nur einmal Mittagessen.

Am Tage der Übergabe von Kamina, dem 27. August, mußten die deutschen Herren ihre Sachen selbst unter Bedeckung von Schwarzen nach Atakpame bringen.

Ich habe mich überzeugt, daß meine 7 Koffer sämtlich bis Lome gekommen find Von diesen find nur 2 aufs Schiff gebracht. In Atakpame am Bahnhof verweigerten mir die Engländer die Mitnahme zweier Koffer, angeblich, weil sie zu schwer wären.

Am 81. August nachmittags wurden wir auf das englische Frachtschiff "OUrmsi« gebracht.

Während der 4 Tage, die ich auf dem Schiff zubrachte, war die Verpflegung sehr schlecht.

Am 3. September verließ ich das Schiff wieder und begab mich nach Lome. Dort wohnte ich bis zum 10. September. Dann wurde ich am 11. morgens von einem englischen Offizier auf den Dampfer »kuriitu« begleitet/ am gleichen Tage abends kam ick in Acera an. In Aecra wurde ich am 12. September in die Basler Missionsfaktorei gebracht, wo ich mit meinem Manne zusammen wohnen konnte.

Bei einem Ausflug nach dem altholländischen Kastell Christiansborg wurden wir an, 10. November nachmittags 2 Uhr verhaftet und getrennt.

Am 11. November wurden mein Mann und ich auf einem Postdampfer nach Sekondi gebracht. Dort wurden wir am nächsten Morgen gelandet. Man brachte uns in das Transportoffiee und nack längeren Verhandlungen in das Zuchthaus für Ein­geborene. Die Kost war hier immer die gleiche. Nach 4 Tagen wurde uns gestattet,

15 *