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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
Seite
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Anlage 8.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 190T 15.

Aus dem I. Teil des Berichts über Erlebnisse als Kriegsgefangener in Afrika und Europa von I)r. Lenze, Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums in Lome (Togo).

In weitem Halbkreis wurden wir in Kamina von den feindlichen Truppen um­stellt, während der stellvertretende Gouverneur, Geheimrat von Doering, mit dem eng­lischen Oberbefehlshaber noch einmal verhandelte. Dieser sicherte uns ehrenvolle Behand­lung zu. Schon wahrend dieser Übergabe begannen die eingeborenen Cabreleute mit der Plünderung und Zerstörung der Europäerhäuser und des Proviantlagers. Diese flohen aber bald, als die französischen Senegalschützen sich an die Plünderung machten. Diese nahmen überhaupt alles, was sie nur schleppen konnten, Langstühle, Konserven, Stiefel, Wäsche, Zaumzeug, Bier, Mineralwasser, Verbandstoffe und ganze Koffer. Die fran­zösischen Offiziere versuchten, ihnen das gestohlene Gut wieder abzunehmen, sie stießen dabei aber oft auf handgreiflichen Widerstand und ließen schließlich ihre schwarzen Soldaten gewähren. Die Deutschen erhielten nun den Befehl, nach Atakpame zu mar­schieren. Träger waren nicht vorhanden, jeder mußte also sehen, wie er sein Privat- gepäck, soweit es noch nicht gestohlen war, mitbekam. Kurz ehe ich von Kamina weg- fuhr, kam Herr Geheimrat von Doering mit dem Gepäck wieder nach Kamina zurück. Er wurde als »Staatsgefangener« bezeichnet und mußte, wie er uns später erzählt hat, zunächst stundenlang in der Sonne stehen und warten, bis ihm die Engländer einen Raum im Leiterhause in Kamina anwiesen. In Atakpame waren alle Deutschen in Faktoreien und Ein geborenen Häusern untergebracht. Einige Offiziere waren dort naeb der Ankunft stundenlang in einem fensterlosen Raume von schwarzen Soldaten ein geschlossen worden. Vor allen Fenstern standen schwarze Posten. Die englischen Offi­ziere waren nirgends mehr zu sehen. Im Hause der Firma Bödecker L Meyer waren 2 Zimmer für 7 Damen zur Verfügung gestellt worden, wer von ihnen noch ein Feldbett hatte,'stellte es auf. Die andern Damen lagen auf Matratzen ohne Moskito­netze auf dem Boden. Meine Frau bekam in dieser Nacht einen Malariaanfall mit hohem Fieber und Schüttelfrost, ich konnte ihr nicht beistehen, da der schwarze Posten das Überschreiten der Straße nach 8 Uhr abends nicht mehr zuließ.

Am 28. August sollten alle Deutschen um 7 Uhr morgens reisefertig sein und sich um 9 Uhr auf dem Bahnhof Atakpame einfinden. Auf dem Bahnhof Atakpame mußten wir alle, auch die Frauen, in englischer Sprache das Ehrenwort abgeben Je 10 Personen unterschrieben immer ein Formular. Es wurde ein Zwang auf uns aus­geübt, das Ehrenwort zu geben, da uns im Weigerungsfälle schlechte Behandlung in Aussicht gestellt wurde Ein einziger Deutscher weigerte sich, das Ehrenwort zu geben, er wurde gefesselt und auf ein Schiff gebracht. Um 11 Uhr vormittags mußten sämt­liche Koffer auf dem Bahnsteig geöffnet werden. Sie wurden nach Waffen und Proviant gründlich durchsucht, aller Proviant wurde abgenommen Fahrräder wurden ebenfalls zurückbehalten, auch wenn sie Eigentum von eingeborenen Dienern waren. Auch die am Fcldzug nicbt beteiligten Kaufleute aus Atakpame, einer mit Frau, mußten mit bis aus je einen Vertreter jeder Firma. Von den Engländern bekamen wir bis dahin