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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage Z.

Auszugsweise Abschrift zu^.V. !607. 15.

Kriegsminislenum.

Militär-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Kriegsrechts.

Gegenwärtig:

Kriegsgerichtsrat Dr. Linde als Richter, Kalkulator Scholz

als Gerichtsschreiber.

Berlin, den 15. Fammr 1915.

Es erschien Frau Frieda Vogt, geb. Schnitzer, wohnhaft Reukölln, Prinz-Dand- jery-Str. 87, 23 Jahre alt, evangelisch, und erklärte-.

Zur Sache: Bis zum Kriegsausbruch wohnte ich mit meinem Manne, der als Werkmeister bei der Firma Lenz L Co. angestellt war, zu Lome in Togo. Dies wurde im August von den Engländern ohne Kampf besetzt. Wir gerieten in englische Ge­fangenschaft. Andere deutsche Familien, welche ebenfalls gefangengenommen waren, wurden damals abtransportiert. Am 20. Nowember wurden wir mit ungefähr 250 Deutschen aus Kamerun, Lagos, Accra und Lome auf den Frachtdampfer geschafft und nach England transportiert. Während der Fahrt waren wir Frauen zehn an der Zahl von den Männern getrennt. Wir Frauen durften täglich nur 1 Stunde mit unseren Männern sprechen, und zwar im Beisein eines englischen Postens. Wir durften unseren Männern nur mit englischer Erlaubnis Sachen geben. Die Be­wachung wurde von Schwarzen unter englischer Aufsicht ausgeübt. Die Schwarzen waren anmaßend.

Über das Essen ist zu sagen, daß es öfter schlecht war. Außerordentlich schlecht waren im Gegensatz zu uns die Männer untergebracht. Sie lagen im Laderaum des Schiffes, hatten schlechtes Essen, bekamen nicht genügend Wasser zum Trinken, Essen, Kochen und Waschen, hatten keine Bewegung. Die Abortverhältnisse für die Männer waren kläglich. Bei Wind wurden sie vom Schmutze bespritzt. Die Männer, welche nur die Tropenkleidung hatten, weil die Engländer ihnen keine Gelegenheit gegeben hatten, andere Sachen mitzunehmen, litten sehr unter der Kälte. Auch in Lome haben sie das zuerst gegebene Versprechen, daß sie unser Eigentum unbehelligt lassen wollten, nicht gehalten. Alle Wohnungen der Deutschen, die im Kampfe standen, wurden ge­plündert, desgleichen solche Wohnungen, die kurze Zeit ohne Aufsicht waren.

Wir kamen hier in Deutschland an mit dem, was wir auf dem Leibe hatten.

gez. Frau Frieds Vogt.

Die Zeugin wurde hieraus vorschriftsmäßig vereidigt.

Geschlossen.

gez. Dr. Linde.

gez. Scholz.