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Aussichten für Ansiedler.
Aus dem vorher Gesagten ergiebt sich, dass kultureller Unternehmung und tüchtigen Ansiedlern auf Samoa noch ein weites Feld erspriesslicher Arbeit offen steht und auch dem einzelnen Unternehmer die Wahl unter den verschiedenen Kulturen und Versuchen. Auch tüchtige Handwerker werden sich eine gute Existenz schaffen können und selbst bei billigeren Preisen und Löhnen, als sie bisher gefordert und gezahlt wurden, bestehen. Dennoch wäre es sehr verfehlt, daraufhin und im Vertrauen auf die Fruchtbarkeit des Bodens Unternehmungs- und Ansiedlungslustigen ohne weiteres die Reise nach Samoa zu empfehlen; denn viele Nebenumstände sind zu berücksichtigen und zu erwägen, die für die Erfolge in Betracht kommen.
Obenan steht die Arbeiterfrage, die augenblicklich in den Vordergrund kolonialwirtschaftlicher Erörterungen gerückt ist und in verschiedenster Weise beurteilt wird, nachdem Deutschland einen Teil seiner Salomoninseln zugunsten Samoas an England abgetreten hat, wenn auch unter Wahrung des Rechtes zur Anwerbung von Arbeitern. Es gehört nicht in den Rahmen dieses Buches, die verschiedenen Ansichten, Klagen und Vorschläge zu erwägen, die voraussichtlich bald zu einem Ziele führen werden. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass es Fremden noch weit schwerer gelingen wird, Eingeborene zu Hülfeleistungen beranzuzieben, als bereits orientierten und bekannten Unternehmern, deren Erfolge bisher in dieser Beziehung nicht sehr ermutigend waren und schon zu dem allgemeinen Dictum verleitet haben, dass dieSamoaner überhaupt nie zur Arbeit zu bewegen sein werden. Es wird immer sehr auf die Person und die Verhältnisse ankommen, und zum mindesten werden auch hier Ausnahmen konstatiert werden können. Die Lust zur Arbeit muss den Samoanern erst anerzogen werden, denn der impulsive Faktor hierzu war in ihrem Naturleben nicht vorhanden. Was die Bewohner der Inseln einst für ihr Leben nötig hatten, das lieferten ihnen, wie schon La Perouse treffend schilderte (S. 22.) das Meer und der Boden freiwillig ohne Gegendienste, und selbst die Gewinnung der Nabrungsmittel durch Fischfang, Jagd und Ernte der Wurzeln oder Früchte, sowie die Befriedigung der geringen Bekleidungsbedürfnisse glichen weit mehr eil er angenehmen Unterhaltung als wirklicher Arbeit. Der Kampf ums Dasein, die Arbeit als Mittel zum Leben waren den Samoanern einst völlig fremde Begriffe. Sie würden es auch heute noch sein, wenn nicht fremde Bedürfnisse in ihnen erweckt worden wären und damit das ihren kommunistischen Überlieferungen und Gewohnheiten widersprechende Streben nach Besitz und materiellem Vorteil.
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