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Samoa / von F. Reinecke
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führen und der Kolonie ihre Zukunft anvertrauen wollen, sich ein häusliches Glück neben einer solchen Lebensgefährtin verheissen und schaffen; denn für deutsche Frauen bedeutet es doch immer noch einen erheblichen Verzicht auf Vieles, was gerade dem gebildeten deutschen Mädchen und Weih schwer entbehrlich ist, wennschon auch die Aufgabe, dort einen Mann glücklich zu machen, besonders gross und schön sein mag. Die Frau kann dem Glatten relativ mehr sein als in der Heimat, wenn sie will und er auch.-Leider hat in neuster Zeit in der Gesellschaft Apias die englische Lady den Vorrang, da einige erste Stützen der Gesellschaft sich mit Englände­rinnen vermählt haben.

Die Bekehrung der Samoaner.

Die Christianisierung der Samoaner steht in ihrer Art wohl einzig da. Heute gelten alle Eingeborenen, soweit sie nicht von Mormonenpriestern erobert sind nach der Missionsstatistik manche sogar doppelt als Christen, wenn auch alle Mühen und Massregeln der Missionare nicht vermocht haben, einzelne altheidnische Über­lieferungen zu unterdrücken. Das Christentum kommt im wesentlichen bei dem Kirchenbesuche und bei den Morgen- und Abendgebeten zum Ausdruck. Getauft sind wohl ziemlich alle Samoaner, aber die übrigen kirchlichen Gebräuche werden häutig unbeachtet gelassen. So ist z. B. die kirchliche Trauung wenig beliebt. Im allgemeinen haben die katholischen Missionare, was den Einfluss auf christliches Leben anlangt, die erheblichsten Erfolge zu verzeichnen. Die bei weitem grössere Zahl von Anhängern hat dieLondoner bezw. diemetho- distisch-wesleyanische Mission aut ihrer Seite. Dass die Sendboten des Christentums so wenig ganze Erfolge erzielen, liegt zumteil an der Zähigkeit, mit welcher die Eingeborenen an ihren alten Institu­tionen festhalten, mehr aber noch an der Rivalität der christlichen Missionsgesellschaften. Im Jahre 1830 begannen die Missionare der Londoner Missionsgesellschaft das Bekehrungswerk, nachdem bereits mehrerefalsche Propheten den Samoanern Irrlehren eingepflanzt hatten. Ihnen folgten dann dieWesleyaner und Priester des katholischen Ordens der Maria (Maristen), und schliesslich sandten auch die Mor­monen ihre Apostel. Jede Religionsgesellschaft geht für sich vor und gegen die Anderen, mit dem Streben nach möglichster Ausbreitung, zum Teil auf politischer Basis. Dadurch ist der seltene Fall ge­schaffen, dass die französisch-katholische Mission zugunsten der Deutschen arbeitet, im Gegensatz zu der eifrig politisch thätigen englischen Londoner Missionsgesellschaft und der (amerikanischen)