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Samoa / von F. Reinecke
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kanisches Kriegsschiff, das ihn verfolgte, soll er, ebenfalls vor Samoa, mit seinem leichteren Fahrzeug auf ein Riff gelockt haben, wo es sitzen blieb.

Endlich aber ereilte auch diesen wüsten Abenteurer der Arm der Gerechtigkeit. Der elegante Gauner fand ein schmachvolles Ende. Sein eigener Steuermann erschlug ihn, angeblich weil sich Hayes an dessen Frau vergriffen hatte. Der Seeräuber, ein ausgezeichneter Seemann, hat auf seinen Raubfahrten sehr viel Geld verdient, aber wenig hinterlassen; denn er gab viel aus, wo er Gelegenheit hatte sich zu amüsieren. Viele Händler sind durch ihn ruiniert worden.

Neben Bully Hayes trieben Mitte des 19. Jahrhunderts auf verschiedenen Inselgruppen auch andere Seeräuber von Beruf, Walfischfänger und räuberische Trader ein sorgloses Gewerbe.

Mischehen.

Ehen zwischen Weissen und Samoanerinnen sind keineswegs selten und oft in aller Form und rechtskräftig, sogar mit vielem Pomp, besonders von englischen Händlern, die darin eine günstige Gelegenheit zur Reklame erblicken, kirchlich abgeschlossen. Die junge Frau lernt meist ausserordentlich schnell, sich der fremden Lebensweise und den Grundsätzen eines kontinentalen Haushaltes anzupassen. Überraschend schnell findet sie sich in die fremde Rolle. Angeborene peinliche Sauberkeit, echt weibliches Wesen, natürliche Intelligenz und manuelle Geschicklichkeit, sowie grosse Gewissenhaftigkeit machen sich in dem von ihr geleiteten Haushalte in wohlthuender Weise bemerkbar. So leicht sich die junge Hausfrau im allgemeinen an die fremdländische Lebensweise, die Nahrung und deren Zubereitung gewöhnt, ohne allerdings die Vorliebe für ihre gewohnte Kost aufzugeben, so sehr ist ihr europäische Kleidung unsympatisch. Das aber ist wohl verständlich und sogar lobenswert; denn einesteils sieht ein in enganliegende moderne Gewandung gezwängter samoanischer Körper keineswegs vorteilhaft darin aus, anderseits aber hat die übliche Kleidung der Samoanerinnen den Vorzug der Bequemlichkeit und geringer Kosten. Sie besteht aus einem um die Taille befestigten, bis an die Mitte der Unter­schenkel herabhängenden Tuch aus buntem Kattun, dem Lavalava (vergl. S. 141) und einem kurzärmeligen Hemdchen, das bis unter den Gürtel reicht. Die Frauen tragen über dem Lendenschurz meist ein bis an die Füsse herabfallendes Oberkleid. Das grösste Kulturübel für sie bildet die Fussbekleidung, deren Tragen auch den samoanischen Damen als eine Qual ersten Ranges gilt, und nur