Druckschrift 
Samoa / von F. Reinecke
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Als ich Anfang 1899 nach Ausbruch der letzten kriegerischen Unruhen auf Samoa nach dem Tode des Königs Malietoa den Heraus­geber einer Zeitschrift auf die Bedeutung dieser Ereignisse für die Zukunft aufmerksam machte, wurde mir erwidert:Samoa wird bald wieder zum alten Eisen geworfen, das Interesse dafür schnell wieder erloschen sein. Diese Ansicht war damals wohl ziemlich allgemein und hatte eine gewisse Berechtigung, wenn auch die Zeit meine Ver­mutungen in noch grösserem Umfange bestätigte, als ich gedacht hatte.

Es ist erstaunlich und in der Weltgeschichte fast ohne Gleichen, welche Anziehungskraft auf das allgemeine Interesse, welchen Ein­fluss auf die Diplomatie der ersten Weltmächte das ferne kleine Insel- paradies besonders seit jener Zeit ausgeübt hat und vielleicht noch ausüben wird. Noch erstaunlicher aber, zumal für Kenner der Ver­hältnisse, ist das, was vielfach in Büchern, Broschüren, Zeitschriften und Tageszeitungen über Samoa und die Samoaner berichtet woden ist.

Mit dem um und über diePerle der Südsee verschriebenen und bedruckten Papier könnte man wahrscheinlich die Inseln be­decken, mit der dabei verwendeten Tinte und Druckerschwärze aber sicherlich alle Samoaner so schwarz färben, wie sie sich noch heute die Phantasie vieler vorstellt. Papier ist geduldig und mundus vult decipi, ergo decipiatur denken mit Erfolg viele Schrift­steller. Zum Nachteile unserer Kolonie und der Anschauungen über sie.

Wenn man, wie Verfasser, längere Zeit zu Forschungszwecken auf den Inseln geweilt, und sie gleich anderen Forschern durchkreuzt hat, dann mutet es sonderbar an, wenn sich z. B. ein vielgereister Schriftsteller wie neuerdings geschehen, rühmt alserster Forschungs­reisender die ungefähr 20 km breite Insel Upolu durchquert zu haben, oder wenn gar ein anderer bekannter Schriftsteller behauptet, die Samoaner schreiben mitarabischen Lettern!

Diese bedauerlichen Wahrnehmungen unterstützten die Auf­forderung des Herausgebers der vorliegenden Kolonialbibliothek und veranlassten mich, ihr zu entsprechen, um, soweit Zeit und eigene