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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
Entstehung
Seite
295
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b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 295

Die Brotfrüchte hingegen pflückt man meist nicht durch Erklimmen der Bäume, da sie ähnlich unseren Apfeln an den Enden der Zweige hängen. Man benützt zu diesem Zwecke einen langen Stock aus Bambus oder anderem leichten Holz, an dessen Ende sich ein Haken befindet, mit dem man die Stiele abreißt. Die Früchte sind roh ungenießbar und werden meist einfach zum Rösten ganz auf heiße Steine gelegt, nachher werden sie dann mit einer Selefatu-Muschel abgeschabt.

Die Banane wächst in großen Trauben, von der die einzelnen Früchte abgebrochen und meist ähnlich wie die Brotfrüchte direkt auf den heißen Steinen in der Haut geröstet werden. Sie werden dann mit dem Schälmesser geschält und so als Zugabe zu Fleisch namentlich auf der Reise gegessen.

Der Taro und Iams aber werden als Wurzelstöcke aus dem Boden gegraben, der Taro mehr in Rübensorm, der Dams ähnlicher in Gestalt einer Kartoffel, nur weit, weit größer. Letzterer hält sich lange Zeit in rohem Zustande, wenn man die Augen ausschneidet.

Die Stadt Apia. *)

Apia muß im Vergleich zu den Städten anderer unabhängiger Inseln ein großer und bedeutender Platz genannt werden, ist der Sitz der samoa- nischen Regierung und Mittelpunkt des deutschen Handels für den west­lichen Teil der Südsee. Es erscheint auffällig, daß von den samoanischen Häfen gerade Apia der Hauptplatz geworden ist, wenn man erwägt, daß der kleine Hafen die anlaufenden Schisse oft kaum alle aufnehmen kann und nur Schutz gegen die gewöhnlich hier allerdings vorherrschenden südlichen Winde gewährt, gegen alle nördlichen aber und namentlich gegen den alle zehn bis zwölf Jahre einmal von Norden her über die Insel -wegziehenden Orkan ganz offen ist, so daß die dann von dem Sturm unglücklicherweise im Hasen überraschten Schiffe in der Regel verloren sind. Der vorzügliche Hafen von Pago-Pago ^(sprich: Pango-Pango) auf Tutuila bietet dagegen ganzen Flotten Raum und vollständige Sicherheit gegen alle Winde. Und doch wird die Wahl von Apia verständlich, wenn man berücksichtigt, daß Upolu die fruchtbarste und bevölkertste der Samoa- inseln ist, in der Mitte zwischen Tutuila und Savaii liegt, daß hier die einflußreichsten Stämme der Samoaner seßhaft sind, daß Apia wiederum so ziemlich im Mittelpunkt von Upolu liegt und der Hafen bisher immer noch als der beste dieser Insel galt, denn der sehr viel bessere Hafen von Saluafata ist erst seit kürzerer Zeit als solcher bekannt.

Die Stadt Apia umschließt, wie schon gesagt, den ganzen Hafen. Von diesem aus gesehen rechts, also an dem westlichen Ende, läuft das Land in eine schmale, niedrige, mit Kokospalmen bestandene, Mulinu'u genannte Landzunge aus, auf deren äußerster Spitze sich der Regierungs-

*) B. von Werner:Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 218. 2 ) Im Besitz der Vereinigten Staaten von Nordamerika.