d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 291
nicht allein von Salzwasser vom Meer zur Bereitung gewisser Gerichte, sondern besonders auch von Süßwasser aus oft weit entfernten Quellen, da die Samoaner es verschmähen, Flußwasser, das sie suamalo nennen, zu trinken. Das Tragen der Lasten geschieht nun bei den Frauen im Gegensatz zu den Männern, welche stets an einem Stäbe, amo, tragen, entweder bei großen Lasten auf dem Rücken, wobei dann die Last mit zwei Baststreifen schulranzenartig festgebunden wird, so daß die Streifen oft stark in die Brüste einschneiden, oder auch bei kleineren Lasten, wie z. B. den mit Wasserflaschen gefüllten Körben auf der Seite. Die Tragart auf der Seite ist auch jungen Frauen und Mädchen eigentümlich, die oft schon recht große Kinder so herumschleppen, die dann in ihrem Adamskostüm rittlings auf der rechten oder linken Hanke thronen. Während das Mädchen so lange Jahre oder immer, wenn sie nicht von nahen Verwandten adoptiert wird, bei der Mutter bleibt, folgt der Sohn schon früh dem Vater, um die männlichen Beschäftigungen zu erlernen. Und deren gibt es genug. Vor allem wird er schon früh in der Kochkunst unterwiesen, damit er als geschickter Koch die Freude seiner Eltern werde, im Anlegen von Pflanzungen, deren Produkte er als junger Mann herbeizuschaffen hat, er lernt Fischen und Jagen, denn die Fische des Meeres und die nutzbaren Bäume und Tiere des Waldes sollen ihm wohlbekannt sein, er lernt die Keule und die Lanze führen und übt sich in den gebräuchlichen Männerspielen. Je nach Stand und Abkunft lernt er auch die Künste des Haus- und Bootbaues, des Tatauierens, die Anfertigung von Holzgeräten, als Keulen, Kawaschüsseln und von Hand- Werkszeug u. s. w.
Dörfer und Häuser der Samoaner.')
Die Dörfer oder Städte, wie man die Ansiedlungen nun nennen will, liegen, da der Samoaner ohne die See nicht leben zu können scheint, vorzugsweise an der Küste, die Häuser verstreut unter Kokospalmen und zwar in solcher Entfernung voneinander, daß kein Besitzer von seinem Nachbar belästigt wird. Und die ganze Ansiedlung umfaßt entweder den nie fehlenden Beratungs- bezw. Festplatz oder lehnt sich an denselben an. Auf diesem Platz befinden sich stets das Haus des Häuptlings und das „I'uls-teis" genannte Beratungshaus, in welchem auch Fremde und Gäste empfangen werden. Die Honneurs macht hier wie gewöhnlich die älteste Tochter des Häuptlings, welche aus diesem Grunde für seinen Hausstand eine so notwendige Persönlichkeit ist, daß, wenn der Hausherr überhaupt keine erwachsene Tochter hat, er oft der Landessitte gemäß ein erwachsenes Mädchen für immer oder auf die Zeit als Tochter adoptieren wird.
Die Bauart der Häuser ist einfach und durchaus zweckmäßig. Ihre Grundform ist oval mit einem größeren Durchmesser von 12—14 m und
9 B. von Werner: „Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 254.