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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
Entstehung
Seite
289
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b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 289

Palmen strichweise vor dem Winde hingemäht und kann man dadurch auf die ganz außerordentlich stoßwirkende Kraft solcher Orkanwinde schließen. Der Orkan beeinträchtigt übrigens bedeutend die Produktion der von demselben befallenen Insel für einige Jahre, bis sich wieder alles erholt hat.

Gesundheitsverhältnisse auf Samoa.')

Trotz des wunderbar milden Klimas und der vorzüglichen gesund­heitlichen Verhältnisse auf den Samoainseln, welche dem menschlichen Organismus so sehr zusagen, wie man auch an verschiedenen Europäern, die schon fast ein ganzes Menschenalter dort zugebracht haben, sehen kann, kommt hier, wenn auch nicht in so ausgedehntem Maße wie auf den Marquesasinseln, doch unter den Eingeborenen ziemlich häufig Lungen­schwindsucht vor, was hier wohl ebenso wie dort eine Folge der unge­nügenden Bekleidung des Körpers während der rauheren Regenzeit ist. Von sonstigen Krankheiten lassen sich eigentlich nur Elefantiasis und eine Hautkrankheit, welche als Ringwurm bezeichnet wird, nennen. Während die letztere selten ist, sieht man Elefantiasis ziemlich häufig. Die Krank- heit tritt vorzugsweise in den unteren Extremitäten und zuerst an nur einem Beine auf, so daß in dem Falle, wenn beide Beine ergriffen sind, das eine einen höheren Grad der Krankheit zeigt als das andere. Uebrigens werden auch Europäer, die viele Jahre ununterbrochen auf den Samoainseln gelebt haben, von ihr heimgesucht, und ich habe einen solchen Fall bei einem über 70 Jahre alten Engländer, welcher seit nahezu 50 Jahren als Zimmermann auf Upolu lebt, gesehen. Der rüstige Mann, welcher trotz seiner geschwollenen Beine noch immer gut zu Fuße ist, scheint äußerlich wenig darunter zu leiden; dies gilt übrigens auch von den Samoanern. Vielfach wird behauptet, daß dem Mangel an aus­reichender Fleischnahrung die Entstehung der Krankheit zuzuschreiben ist, doch wird dies von anderer Seite wieder bestritten. Tatsache ist ja, daß die Samoaner hauptsächlich von vegetabilischer Kost und in erster Linie von jungen Kokosnüssen und der Brotfrucht leben, andererseits findet man die Elefantiasis vorzugsweise bei den Häuptlingen, die sich doch mehr Abwechselung in ihrer Ernährung gestatten, und auch Europäer, welche regelmäßige Fleischnahrung zu sich nehmen, wollen nach längerem ununterbrochenen Aufenthalt in Apia die Anfänge dieser Krankheit an sich beobachtet und der Weiterentwicklung nur durch einen längeren Auf­enthalt in Australien, Neu-Seeland oder Europa vorgebeugt haben.

Sitten der Samoaner. ?)

Die Samoaner sind, wie ich schon angegeben habe, sehr reinlich und halten auf gute Körperpflege, ob aus natürlichem Trieb oder ob dies nur

*) B. von Werner:Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 265.

2) B. von Werner:E,n deutsches Kriegsschiff in der Südsee", S. 252.

Seidel, Koloniales Lesebuch. 8. Slusl. iq