278 Die Karolinen, Marionen und Palauinseln.
laufenden Schwimmbalken besteht, der durch mehr oder minder weit vorragende Ouerstangen mit dem Schiffskörper verbunden ist, übrigens vor eventuellem Umschlagen das Fahrzeug keineswegs sichert.
Je nach den Lokalitäten oder der Größe der Fahrzeuge ist der Ausleger in verschiedener Weise konstruiert, fehlt aber selbst an kleinen Kanus nicht. Stämme des Brotfruchtbaumes werden am liebsten zu Kanus verarbeitet; doch findet sich nicht überall passendes Material, und die Japer zimmern deshalb ihre großen Fahrzeuge auf Palau. Die Größe der Kanus ist natürlich sehr verschieden, und überall giebt es kleine und große Fahrzeuge; so erwähnt Lütke solche von Lukunor, die nur eine Person tragen, während nach Kubary manche Fahrzeuge der Palauer bis 20 w lang und mit vierzig Ruderern bemannt sind. Alle diese Ruderkanus dienen natürlich nur dem Lokalverkehr, und da die Kusaier z. B. selten über die Lagune und Kanäle des Barriereriffs hinauskommen, so fehlt ihren Kanus auch das sonst allgemein übliche Segel. Das letztere ist meist sehr groß, dreieckig, aus Streifen von Mattengeflecht (aus Padanusblatt) zusammengenäht, wird mit zwei winkelig gegeneinander befestigten Stangen ausgespannt und ist an einem Mast befestigt. Die Hantierung dieses Segelgeschirrs ist ziemlich umständlich, da beim Wenden Mast wie Segel an den entgegengesetzten Bug getragen und hier in Naben eingesetzt werden müssen. Eigentümlich ist es, daß die Segelkanus von Ponape früher mastlos waren; aber diese Insulaner sind keine Seefahrer und segeln nur nach Andema oder Pakin (10 resp. 18 Seemeilen), selten bis Ngatik (60 Seemeilen). Auch die Palauer unternehmen keine großen Seereisen, wofür alle diese aus nur einem Baumstamm bestehenden Kanus überhaupt ungeeignet sind. Das eigentliche Hochseekanu repräsentiert daher einen anderen Typus von Fahrzeugen, die nicht immer größer, aber ansehnlich höher sind, indem man dem ausgehöhlten Baumstamm, der nur als Kielstück dient, Seitenteile oder Bugstücke aufsetzt, die mittels Stricken durch Bohrlöcher festgebunden und kalfatert werden. Zugleich »rhalten diese Fahrzeuge ein stärkeres Auslegergeschirr und mittschiffs eine Plattform, welche als Deck dient und auf welcher zuweilen eine kleine Hütte für die notdürftigste Unterkunft errichtet ist.
Ruinenstätten auf Ponape und Kusaie.H Es handelt sich bei diesen Trümmern um die Reste einer ausgedehnten, wie das italienische Venedig in die Lagune eingebauten Stadtanlage, deren Baumaterialien mächtige Basaltsäulen in der sechseckigen Form ihres dortigen natürlichen Vorkommens bildeten, welche man aber vermutlich mit großen Mühen und Anspannung aller Energie und Geduld
') vr. Max Friederichsen: „Die Karolinen. Mitteilungen der Geogr. Gesellschaft in Hamburg", Bd. 17, S. 22. (Verlag von L Friederichsen L Co., Hamburg 36).