b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 271
zahlreich vertretenen Seevögeln absehen, beschränken sich auf etwa ein Dutzend Arten, von denen ein schwarzer Star am häufigsten ist, dazu kommt ein Honigvogel, eine wahrscheinlich von den Palaus her eingeführte Taube, ein weißer und ein grauer Reiher nebst einer Anzahl kleiner Spezies, die man nur gelegentlich zu Gesicht bekommt. Schlangen und Frösche fehlen ganz. Dafür sind vier Arten von Eidechsen gemein. Mit das auffälligste Tier ist ein Leguan, von dem ich Exemplare sah, die von der Schnauzen- bis zur Schwanzspitze I V» m maßen. Der Leguan ist für die Eingeborenen ein heiliges Tier, aber nur während einiger Monate, in anderen schlagen sie ihn ohne Bedenken tot. — Sehr spärlich ist im allgemeinen auch die Jnsektenwelt; Heuschrecken, Libellen, Schmetterlinge und Schwaben weisen noch einen gewissen Artenreichtum auf, von Käfern habe ich trotz eifriger Nachstellung nur etwa 20 verschiedene feststellen können.
Nicht zu sagen brauche ich, daß die Meeresfauna um so reichlicher entwickelt ist. Fährt man mit einem Boot über die Korallenbänke, die hier freilich nicht die Formenmannigfaltigkeit und Farbenpracht wie aus den Palaus besitzen, so sieht man das bis auf fünf und mehr Meter vollkommen durchsichtige Wasser von zahlreichen, häufig wunderbar bunten Fischen aller Klassen und jeder Größe belebt, Seesterne und Seeigel haften auf dem Grunde, und träge ruhen in ihrer Gesellschaft bis meterlange Holothurien, von denen einzelne als Trepang gefischt und von den Händlern in getrocknetem Zustande zu hohen Preisen nach China verschifft werden. Die Zahl der Seeschnecken und Muscheln ist Legion; alle die bei uns als Zierarten aus der Südsee verbreiteten Gestalten treffen wir an, darunter auch die Perlmuschel, allerdings nicht in der Größe und Häufigkeit, wie in den Gewässern des Bismarckarchipel.
Küstenvegetation der Palauinfeln.
Wir fuhren bei Hochwaffer über die nun gänzlich bedeckten innern Riffe ziemlich nahe an der Küste entlang; überall ist sie von einem Saum von Mangroven umgeben Mitten aus dem plätschernden Wasser steigen zahllose gerade dünne Stämme bis zu Manneshöhe empor und breiten sich dann plötzlich aus in eine Krone unregelmäßiger Neste mit breiten, saftigen, glänzendgrünen Blättern. Ihre Wurzeln ragen teilweise über das Meer, empor: dünne, wirre Gebilde, die von der Ferne gesehen, wie ein Kegel von regellos angehäuften Ruinen aussehen; zwischen ihnen abgestorbene Stämme oder spitz und steif emporwachsende junge Bäume und von den Zweigen herabhängend, aus den abgestorbenen Blüten- kelchen hervorwachsend, senkrecht dem fruchtbaren Naß zustrebende Luftwurzeln frischer Keime. Dieses Dickicht scheint dem Auge nur schmal zu
0 Semper: „Die Palau-Jnseln", S. 80.