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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 205

zogen wurden, lehnten sich unmittelbar an das für papuanische Ver­hältnisse ebenso große als schöne Dorf Rabun oder Labuhn. Es zählte, von Bäumen und Kokospalmen beschattet, an 20 Häuser, solide und stattliche Bauten, denen nur Fenster fehlten, um gar manche viel arm­seligere Hütte daheim zu übertreffen. Einzelne dieser Pfahlhäuser (Rum) waren 40 bis 50 Fuß lang, 24 Fuß breit und bis unter die Giebelspitze an 20 Fuß hoch. Das Dach bestand aus Ried oder Gras, die Seiten- wände aus sehr sauber befestigten, zuweilen rot und schwarz bemalten Blattscheiden der Nipa- oder Sagopalme, die Diele aus gespaltenen Latten von Betelpalmen. Charakteristisch für den hiesigen Baustil ist das Fehlen eines Vorplatzes oder einer Plattform, da die Treppe gleich unter der in eigentümlicher Weise verschiebbaren Thür liegt. Die im Innern der Häuser herrschende Dunkelheit erlaubte erst allmählich Orientierung, ließ aber die gewöhnliche Einfachheit der Einrichtung er­kennen: in der Mitte die Feuerstelle, aus mit Sand gefüllten Rahmen bestehend, an den Seiten Lagerstätten aus gespaltenem Bambus, mit Kokospalmen belegt, und Töpfe. Letztere stimmten in der Form mit denen von Bilibili überein und wie ich sie auch am Caprivi sah; es gab aber auch Töpfe von kolossaler Größe, die als Behälter für Sago dienten. Keramik schien auch hier eine Quelle des Wohlstandes und Reichtums, denn es gab Töpfe im Ueberfluß; so waren unter anderem auch besondere an Stricken befestigte Horden mit solchen versehen. Große Häuser enthielten zwei Abteilungen und werden, wie schon die doppelte Feuerstelle andeutete, wohl von mehr als einer Familie bewohnt. In einem Hause bemerkte ich eine rohgeschnitzte Holzsigur, einen sogenannten Götzen, ähnlich den Telmus von Astrolabe, aber ohne die für jenes Gebiet charakteristische langausgestreckte Zunge. Wenn auch Holz­

schnitzereien an den Häusern fehlten, so fanden sich doch andere Arbeiten, welche von der Geschicklichkeit der hiesigen Eingeborenen in diesem Genre zeugten.

Baumhäuser.^)

Die Häuser unterscheiden sich von denen in Bentleybai hauptsächlich dadurch, daß sie auf sehr hohen Pfählen wohl zehn Fuß über der Erde stehen und aus Sagopalmblatt gebaut sind, deren lohfarbene Färbung sie schon von weitem auszeichnet. Ich sah übrigens auch Häuser auf niedrigen Pfählen und solche von ovaler Form, denen gewisse Häuser auf Aroani wohl als Muster gedient hatten. Besonders überraschte mich ein Baumhaus, das noch im Bau begriffen war. Solche Baumhäuser, die ich aus dem Innern von Port Moresby kannte, gehören zu den kunstvollsten Bauwerken der Steinzeit. Denn es ist nicht so leicht in den Aesten und im Wipfel eines Baumes, oft in einer Höhe von 50 bis

») Dr. O. Finsch:Samoafahrten", S. 271.