b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 203
echte Fieberluft, die man förmlich riechen konnte. Uebrigens fanden wir die Spuren der Eingeborenen in betretenen Pfaden, die uns später zu wohlgepflegten Plantagen führten. Sie gehören den Inselbewohnern, denn das Festland um Friedrich Wilhelmshafen scheint ganz unbewohnt zu sein. Der Boden ist auch in diesem Gebiet ein sehr fruchtbarer, dessen korallinische Bildung die allenthalben umherliegenden Korallentrümmer deutlich erkennen lassen. Die Baumvegetation war eine entsprechend üppige, aber das Auge sucht vergebens nach jenen lieblichen Kindern Floras, den Blumen, die so mannigfach abwechselnd unsere Wälder zieren. Hie und da sieht man ein lilienartiges Staudengewächs mit plumper Blume, oder hoch in dem Gelände die schön roten Blumen gewisser Schlingpflanzen guirlandenartig von Baum zu Baum ranken, seltener eine Orchidee. Diese Blumenarmut ist eben für alle Urwälder dieser Tropenregion charakteristisch, wie der Reichtum an Lianen und anderen Schlingpflanzen. Letztere umstricken große Bäume häufig so dicht, daß die sonst schönen Formen bizarr und phantastisch aussehen. Die zahllos herabhängenden, oft armdicken Enden und die dünnen, mit häßlichen seinen Dornen besetzten Ranken bereiten häufig unüberwindliche Hindernisse. Diese rankenden Lianen, die sich anfangs, unschuldig wie unser Epheu, gleichsam schutzsuchend an dem Baumstamme emporwinden, saugen an seinem Lebensmark, bis sie ihn schließlich ganz ersticken. Hunderte von Parasitenarmen, zu gewaltiger Dicke angewachsen, umklammern und halten den morschen Riesen noch zusammen, an dessen Zerstörung Milliarden geschäftiger Ameisen mithelfen, bis ihn ein Windstoß ganz zu Boden streckt. Das ist so in wenigen Strichen das Bild eines Urwaldes, wie ich es im großen und ganzen überall in jenen Regionen fand, und das meist sehr von den Vorstellungen abweicht, welche sich der Laie macht. Ja, diese Urwälder sind großartig, interessant durch die Menge neuer Eindrücke, welche sie dem Neuling bieten, der manche Begriffe von Baumwuchs, Ueppigkeit und Vegetationsfülle zu verbessern haben wird, aber ein harmonisches Ganze wie unsere Hochwälder bieten sie nicht. Wer so lange wie ich in diesen Urwäldern lebte, unter ihnen seine Hütte aufschlug und täglich mit Schling- und Rankengewächsen zu kämpfen hatte, wie dies bei meinem früheren Aufenthalte an der Südostküste Neu-Guineas und der Kap Aork-Halbinsel der Fall war, dem werden die heimischen Wälder erst recht lieb geworden sein, und nach allen meinen Welterfahrungen muß ich offen bekennen: . Der deutsche Wald ist der
schönste!"
Der Papuahund. st
Die Abstammung des Papuahundes bleibt auf einer Insel, wo kein einziges Raubtier vorkommt, ein Rätsel, dessen Lösung innigst mit der
st Dr. O. Ftusch. „Samoafahrten", S. 53.