Druckschrift 
Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
Entstehung
Seite
200
Einzelbild herunterladen
 

200

Kaiser Wilhelmsland.

Blumen, die sich überall eingenistet haben, vermehren durch den Gegensatz die Wirkung des Großartigen. Dabei tropft es gleich Tränen von den stellenweisen mit Moos bekleideten Felsen herunter. Wenn diese engste und schwierigste Stelle, die wir im Flußbett passiert haben, auf uns alle einen derartig überwältigenden Eindruck gemacht hat, daß sie uns Wunden, zerschundene Beine und mit ihren Trägern ins Wasser gefallene Gepäckstücke vergessen ließ, so spricht das wohl deutlicher als alle Beschrei­bungen. Viel Zeit haben wir dem Naturgenusse nicht widmen können. Um Stellen, wo das Wasser so tief war, daß es uns bis über den Kopf gereicht haben würde, zu umgehen, mußten wir auf allen Vieren, an Felsen­wänden, die kaum einen Halt gaben, entlang kriechen oder uns aus Abstürze von mehrfacher Manneshöhe hinaufarbeiten. Fortwährend hieß es hinaufklettern auf glitschige Blöcke und wieder hinabsteigen ins Wasser, dessen Tiefe nur allzu oft täuschte und wo man nur allzu leicht aber­mals ausglitt. Die allerengste Stelle nahm uns gerade eine halbe Stunde lang in Anspruch. Dann folgten noch eine Stunde lang zwischen dicht aneinander herantretenden Felswänden scheinbar endlose Schlängelungen des Flusses, so daß es schien, als ob wir gar nicht mehr aus diesem labyrinthischen Einschnitt heraus zu Licht und freier Luft gelangen würden. Auch hier trugen die Felsgehänge, wo sie nicht ganz senkrecht waren und die dunkle Naturfarbe zeigten, bisweilen noch Buschwerk.

Körperliche Bildung der Eingeborenen in Kaiser Wilhelmsland.')

Die Eingeborenen von Kaiser Wilhelmsland sind in ihren äußeren Anlagen im großen und ganzen von guter Statur, mittelgroß, schlank, in der Regel weniger muskulös und kräftig als die Europäer und mit üppigem, dunklen, krausen Haarwuchs versehen. Wie überall in Neu­guinea, so haben auch hier Mischungen und die Verschiedenheit in der Ernährung und Beschäftigung Abweichungen von der Regel hervor­gerufen. Wie bereits oben hervorgehoben wurde, finden sich Anklänge an den malayischen Typus auf Gressien-, Bertrand- und den benachbarten Inseln, ferner auch in der Bunu-Landschaft und besonders im Dorfe Matukar und am Ama-Fluß. Die Eingeborenen auf der Matty-Jnsel?) erinnern in ihrem Äußern an die mongolische Rasse und sind vermutlich Abkömmlinge von vor längerer Zeit dorthin versprengten Chinesen, die sich mit der vorgefundenen Papuabevölkerung vermischt haben. Weiter finden wir bei den Eingeborenen auf dem Sattelberg gewisse Ähnlichkeit mit den Australnegern. Die Jabim in der Gegend von Finschhafen wiederum zeigen wie auch die Papuas am oberen Augusta-Fluß und am

0 Dr. Krieger:Neuguinea", S. 141.

-) Aufgefunden 1892 von dem 1897 verstorbenen Ludwig Kitrnbach.