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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher.

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Ein Zwischenhändlers)

N'Gale war das richtige Bild eines westafrikanischen Zwischenhändlers. Auf verhältnismäßig leichte Weise reich geworden, besaß er in Budiman einige ansehnliche Gehöfte, deren einzelne Hütten mit Koffern, Kästen und Kisten angefüllt waren, welche die verschiedensten, in jenen Gegenden üblichen Tausch- und Handels-Gegenstände enthielten. Eine Anzahl alter und junger Weiber, sowie eine Schar von Kindern, zudringliche Zeugen seines ehelichen Glücks, bevölkerten das gut und reinlich gehaltene An­wesen. Er selbst war eine große, wohlbeleibte Gestalt mit einem wahren Gaunergesicht. Die dunkelbraune Hautfarbe seines von Palmkernöl glänzenden muskulösen Oberkörpers erschien durch ein Helles Hüftentuch womöglich noch schwärzer. Seine Handgelenke schmückten breite Elfenbein­ringe und seinen Hals eine Kette dicker hellgrüner Glasperlen, die sich prächtig von dem dunklen Nacken abhoben. Wie alle Kameruner, so führte auch er mit Vorliebe ein armlanges Stück Baumwollenzeug mit sich, entweder alsTaschentuch" über der Schulter oder als fest unter­halb der einen Brustwarze zugebundene Schärpe, woran sein Schlüssel­bund befestigt war. Seine Stimme war tief und heiser, offenbar die Folge zahlreicher Zänkereien mit seinen Handelsfreunden; stets aber wußte er mit ihr durchzuringen, wobei ihm allerdings die Halsadern bis zum Zerspringen anschwollen. Auch der häufige Genuß eines mehr als zweifelhaften Alkohols mochte zu dieser Heiserkeit beitragen, die ich meiner­seits nicht noch steigern wollte und ihm darum jeden Schnaps verweigerte das erste, um das jeder Kamerun-Häuptling, einige löbliche Ausnahmen abgerechnet, zu betteln pflegt.

Eine Hängebrücke über den Mongo.?)

Den Mongo überschreitet man bei Kombone vermittelst einer sehr geschickt angelegten Hängebrücke. Ob diese Hängebrücken eigene Erfindung der Waldlandstämme oder aber bloße Nachbildungen der im nördlichen Hinterlande im Graslande vorkommenden Brücken sind, ist schwer zu entscheiden; jedenfalls ist ihr Bau das Sinnreichste, was afrikanische Intelligenz und Technik hervorgebracht hat.

Brücken müssen nämlich dortzulande sehr hoch über dem Wasser­spiegel angelegt sein, weil die Flüsse in der Regenzeit nicht nur oft viele Meter über ihren niedrigsten Wasserstand steigen und, wenn auch nur stundenlang, zu gewaltigen Strömen anschwellen, sondern auch riesige Baumstämme mit sich führen, deren in die Luft starrende Wurzeln jegliches Hindernis, daß sich ihnen in den Weg stellt, unwiderstehlich hinwegfegen. Da die Eingeborenen die Grundlegung von starken granitenen Pfeilern,

l) E Zintgrafs:Nord-Kamerun", S. 6 ff.

^ E. Zintgrafs:Nord-Kamerun", S. 87 ff.