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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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Kamerun.

Die von Dr. Schlechter aus Sumatra beziehungsweise aus Neu- Kaledonien mitgebrachten beiden Ficus-Arten liefern ein klebriges, an­scheinend minderwertiges Produkt. Es erschien deshalb ratsam, an diesen Pflanzen keine Zeit mit Anzapfungsversuchen zu verschwenden.

I^anäolxliig.. Die ersten Exemplare dieser in mehreren wertvollen Arten vertretenen Gattung haben sich zu niedrigen reich verzweigten Büschen entwickelt, wobei die erwünschte Ausbildung starker Stämme unterblieben ist. Zweifellos hängt dies damit zusammen, daß diese Wald­pflanzen im Garten viel mehr Sonne erhalten haben als an ihren natür­lichen Standorten. Von den jüngeren Landolphien stehen einige an einer

stark beschatteten Stelle des Gartens. Hier hatte man aber nicht ge­

nügend für Entfernung der Unkräuter gesorgt, so daß die Landolphien teils erstickt wurden, teils in der Entwicklung zurückblieben. Somit läßt sich die Frage, innerhalb welcher Zeit die Landolphia-Stämme eine für die Anzapfung geeignete Dicke erreichen, noch nicht beantworten. Von der im Kamerungebirge, z. B. über Buea, wildwachsenden I^nckolpliia vunei wurden zahlreiche Pflanzen aus Samen gezogen. Bekanntlich heißt diese Liane in der Sprache der Bakwiris'rauniouAo" und wird

voir diesem Volksstamme zur Kautschukgewinnung benutzt. In den Wäl­

dern des nördlichen Küstengebiets wurden drei im Garten noch nicht kultivierte, gute Kautschuk liefernde Landolphia-Arten angetroffen, welche an den Blättern deutlich zu unterscheiden sind und auch bei den Ein­geborenen verschiedene Namen führen. Die in den Garten gebrachten Stecklinge von jenen Pflanzen gingen leider ein.

Die Küstenbewohner Kameruns.')

Der Küstenneger entspricht im großen und ganzen den Vorstellungen, welche man sich in Europa von den Negern zu machen pflegt. Zwar die Hautfarbe wechselt sehr. Hellbraune bis rotbraune Leute, ja ganze Stämme, sind gerade an der Küste nicht selten, und man kann sogar sagen, daß die Sudanvölker im Durchschnitt dunkler sind, am dunkelsten vielleicht gewisse Wüstenstämme. Ihrer Physiognomie nach sind sie da­gegen durchweg echte Neger. Der Schädel ist rund und plump, das Haar wollig und steht gruppiert, die Stirn ist sehr verschieden, im allge­meinen mittelhoch und meist zurücktretend. Das Gesicht ist rund und breit. Die Nasenwurzel ist breit und flach, ebenso der Nasenrücken; die Nasenflügel sind stark aufgebläht, die Nase daher breiter als lang; die Nasenspitzen stumpf und ausgestülpt, so daß man in die Löcher hinein­sieht. Die Lippen sind dick, wulstig und geschwungen; kurz, alle Fleisch­teile übermäßig entwickelt. Auch der Körper ist plump, knochig, muskulös und hat ein reichlich entwickeltes Fettpolster.

') S. Passarge: Adamaua, S. 419.