d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 129
nahm der Zauberer seine Bezahlung, die sehr reichlich war, einige Flaschen Rum kreisten; ich aber machte mich davon, da ich weder Zeit noch Lust hatte, den Tod der armen Frau mit anzusehen, von der ich somit auch nicht weiß, ob sie wirklich gestorben oder mit dem Leben davon gekommen ist.
Nahrungs- und Genußmittel Kameruns. ^
Als Nahrungs- und Genußmittel der Negerbevölkerung und vielfach auch der Europäer kommt praktisch im Tiefland die Kassada oder Maniok (Nauibob utili88iwa), die Erdnuß (Xraebw bypn^aea), Kolanüsse, Bananen Mu8a paraclimaea), sowie in hervorragender Weise die im ganzen Küstengebiet sehr verbreitete Kokosnuß in Betracht, deren Frucht in der mannigfachsten Weise ausgenutzt wird und in sich alle zur Erhaltung des Stoffwechsels erforderlichen Nährstoffe vereinigt. 2) Ebenso ist die Kamerunküste an vorzüglichen Früchten, Mangopflaumen, der Frucht der Uavig- kera iuäioa, Ananas (^u»ua88g> 8ativa) u. a. reich. Das aus den Fruchthüllen der Llaei8 gewonnene Palmöl dient Eingeborenen und Europäern bei der Bereitung der Speisen; aus ihr, wie auch aus der Ra- phiapalme wird Palmwein gewonnen; auch Gewürze, namentlich Pfeffer, liefert der Wald in reicher Menge. Die Plantagen am Westabhang des Kamerungebirges produzieren Kakao und Kaffee, sowohl arabischen, als auch, wenn auch nicht so reichlich, Liberiakaffee, dazu Tabak und Kardamom, Ingwer, Pfeffer, sowie fast alle europäischen Gemüse, letztere namentlich in ausgezeichneter Qualität im Gebirge und Hochland in 600 bis 900 m Höhe nach den in Buea und Bonjongo, sowie in Aaunde gemachten Erfahrungen. In hygienischer Hinsicht ist das von nicht zu unterschätzender Bedeutung. — Im Hochland tritt die Negerhirse (8orxbuw) an ihre Stelle, welche nach Osten hin bis zur Küste des Indischen Ozeans eine der hervorragendsten Stellen unter den Feldfrüchten der Eingeborenen einnimmt; das Kamerungebirge ist in der entsprechenden Höhe nicht mehr dauernd bewohnt. Auch Iams (viEorea), Pisang, Koko, Colocasia und namentlich Mais gedeihen im Hochland. Letzterer sowie Hirse und Bohnen bilden in demselben die Hauptnutzpflanzen.
Von den für den menschlichen Haushalt in Betracht kommenden kommenden Haustieren sind Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner und Enten im ganzen Kamerungebiet häufig, auch Tauben halten sich gut. Milch wird, im Gegensatz zum Binnenlande und zur Ostküste Afrikas, nicht gewonnen, da die Eingeborenen sich scheuen, das halbwild im Busch sich herumtreibende Vieh zu melken. Ebensowenig ist von
*) I>. Fr. Pichn: „Kamerunküste", S. 6 ff.
Die Analyse der Nuß ergiebt: 46,6 pCt. Wasser, 36,9 pCt. Fett, 6,5 pCt. Eiweiß st o ffe, 8,i pCt. Zucker, 1 pCt. Mineralstoffe. Semler: „Trop. Agrikult.",' I, S. 693.
Seidel, Koloniales Lesebuch. 3. Aufl.
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