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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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Kamerun.

ist Kamerun reich an Palmen, und sie sind wohl nicht allein die schönsten, sondern auch die ergiebigsten Pflanzen des Landes. Außer der Fächer­palme trifft man, allerdings nur so weit die Seebrise reicht, die Kokos­palme (6oco8 nueiksra) an, deren Milch eine höchst angenehme Er- quickung abgiebt und deren Kern auch zu einem Handelsartikel (Kopra) verwandt wird. Ich habe im weiteren Hinterlande kein einziges Exemplar dieser Spezies angetroffen. Nur etwa zehn Tagereisen von der Küste hält sich noch die Kokospalme. Es ist ein sicherer Beweis für den aus - dem Innern zurückkehrenden Reisenden, daß er nicht mehr weit von der Küste entfernt ist, wenn er die erste Kokospalme antrifft. Noch wichtiger als diese ist die sowohl an der Küste als auch im Innern, und zwar hier oft in großen Hainen auftretende Oelpalme (LIaeis guiu66U8i8). Sie liefert die Haupthandelsprodukte Kameruns, Palmkerne und Palmöl; aus ihrem Saft verschafft sich der Neger sein berauschendes Lieblingsgetränk, , denMimbo". Außer diesen drei Arten gedeiht an vielen sumpfigen j Stellen noch die Weinpalme, auch Bambuspalme genannt (kspllia ' vivilera). Ihre langen und elastischen Blattrippen werden von den Ein­geborenen vorzugsweise als Dachsparren und Tragstöcke benutzt, auch ihr Saft wird, wie der Name verrät, gern getrunken. !

Von vielen nutzbaren Farbhölzern absehend, will ich an dieser Stelle besonders ein Gewächs hervorheben, das nach meiner Ansicht nächst der Oelpalme die größte Zukunft hat. Es ist die Gummiliane (I^aväolpbia).

Ich habe an vielen Stellen des Urwaldes diese Schlingpflanze massen­haft angetroffen; die Eingeborenen hatten jedoch meistens von dem Werte ihres Saftes keine Ahnung. Man müßte mit der Ausnützung jedenfalls vorsichtiger beginnen, als dies in der Küstenregion geschieht. Hier haben die Eingeborenen, um möglichst viel zu produzieren, die Lianen nicht angeschnitten, sondern, um im Augenblick viel Saft zu erlangen, die Pflanzen durchschnitten und dadurch für die Zukunft getötet. Ich halte es daher für angebracht, daß man da, wo die Gummigewinnung be­trieben werden soll, dies unter der Aufsicht eines erfahrenen Europäers geschehen läßt.

Eine Elefantenjagd.

Schon wird hin und wieder das Krächzen jener Vögel aus der Familie der Nashornvögel vernehmbar, die in hohen Baumkronen unsere Anwesenheit bemerken und sich mit Vorliebe aufhalten, wo Elefanten sind, welche sie durch ihr Geschrei vor dem nahenden Jäger zu warnen scheinen.

Doch horch! Zur Linken, nicht gar weit entfernt, hören wir plötzlich das Knacken eines Zweiges und ein leises Rauschen der Blätter! Das

') E. Zintgraff:Nordkamerun", S. 10b ff.