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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
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Schlußbemerkungen.

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Bogen, vom persischen Golf bis zu den japanischen Ge­wässern, umspannt es Englands Besitz in Indien und 1 sein Handelsgebiet in China. Und all dieser Erwerb

liegt an den unmittelbaren Grenzen des Reiches, ist mit ihm zu einer geographischen Einheit verbunden, zu einem großen geschlossenen Machtkoloß, der seiner Natur nach nie tödlich getroffen werden kann. Und dazu verstehen es

> die Russen in unübertroffener Weise, barbarische Völker nicht nur zu unterwerfen, sondern mit sich zu verschmelzen.

! Ihre Regierungsform, ihr eigener Kulturstand erleichtern das. Sie schieben die Angehörigen ihres eigenen Volkes ' in dem weiten Reiche nach Belieben hin und her. An

! allen gefährdeten Grenzen sind heute Kosaken, die

früher allein der südrussischen Steppe eigentümlich waren, selbst russifiziert angesiedelt. Sibirien und das Amur­land füllen sich mit russischen Bauern, halb aus freiem ^ Willen, halb auf Geheiß des Zaren. Es ist ein un-

^ heimliches Anschwellen einer Macht, die trotz äußerer

j Europäisierung fremdartig im Kulturleben des 19. Jahr­hunderts steht, sich vollziehend wesentlich auf dem Wege ^ der Kolonisation.

^ 53. Lchluszbeinerkuiigen.

, ! Rein ntilitarische Betrachtungsweise, die ja im

19. Jahrhundert so oft eine große Rolle gespielt hat und heute noch Geltung behauptet, hat den Wert von f Kolonien oft ausschließlich bemessen nach dem unmittel­

baren, rechnungsmäßigen Vorteil, den sie dem Mutter­lande bringen. Man hat besonders darauf hingewiesen,

> daß die Budgets der großen Kolonialverwaltnngen, auch ! von reichen und produktionsfähigen Kolonien, häufig mit ^ Defizits, zum Teil sehr beträchtlichen, abschließen, die

Schäfer. Kolonialgeschichte. 10