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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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Das 19. Jahrhundert.

entlegenere Absatzgebiete gesucht werden. So entwickelte sich der Weltverkehr unserer Tage, der offenbar erst am Anfange seiner Entfaltung steht, und der doch schon ver­mocht hat, die Beziehungen der Böller so innig zu ge­stalten, daß kaum eines noch völlig unberührt bleibt von den Geschicken des anderen.

Der Kolonisationstrieb ist durch diese Entwickelung nach zwei Richtungen außerordentlich belebt worden. Der so sehr erleichterte Verkehr bot dem Einzelnen früher nie gekannte Möglichkeiten, seinen Wohnsitz zu wechseln, Ände­rung und Besserung seines Loses außerhalb der Heimat zu suchen. Die politische Freiheit, die das Jahrhundert dem größten Teil der europäischen Menschheit errang, vermehrte diese Möglichkeiten. So hat der Erdteil eine Auswanderung erlebt, die beispiellos dasteht in der Welt­geschichte. Der Wunsch, sie der eigenen Nationalität zu erhalten, ihr die Verbindung mit dem heimischen Staats­wesen zu bewahrten, gab Antrieb zur Gründung neuer, zur Erweiterung bestehender Kolonien. Die Notwendig­keit, für die so sehr gestiegene Produktion und den nicht minder gewachsenen Zufnhrbedarf die Absatz- bezw. Be­zugsgebiete auszudehnen, sie sich möglichst zu sichern, brachte dem Kolonialgedanken weitere Kraft. Im 19. Jahr­hundert ist mehr kolonisiert worden als fast in der ge­samten Vorzeit.

43. Die Auswanderung.

Ihr Verlauf und ihre Wirkungen zeigen sich am deutlichsten in der Entwickelung der Vereinigten Staaten. Als sie sich von England lösten, hatten sie etwa 3 Millionen Einwohner, nach der Zählung von 1900 76 Millionen. Es wird berechnet, daß in dieser Zeit mindestens 20 Mil­lionen Menschen in die Union eingewandert sind, darunter