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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
Seite
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Kolonisation als (Aeschichtsfaktor. 9

Staate, einem Volke darum zu tun ist, seinen Angehörigen in der Fremde neue Wohnsitze zu verschaffen, oder wo diese selbst sich dort neuen Boden oder ein neues Feld für ihre Tätigkeit suchen mit der Absicht, auch draußen ihre volle nationale und politische Selbständigkeit, sei es im Anschluß an die Heimat oder durch eigene Kraft, zu behaupten, findet ein Kolonisieren statt, das geschichtlicher Betrachtung ein Bild weltbewegender Entwickelung bietet.

2. Kolonisation als Geschichtsfaktor.

Ranke bemerkt, daß der Fortschritt der Geschichte sich decke mit der räumlichen Ausdehnung ihres Schau­platzes. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, hat Kolo­nisation weitaus am meisten beigetragen zum geschicht­lichen Fortschritt. Die frühesten Wohnsitze der Menschen, soweit wir sie erkennen können, und die ältesten Stätten menschlicher Kultur sind durch kolonisierende Eroberung erweitert worden über ihre ursprünglichen Grenzen hin­aus. Von den fruchtbaren Geländen des Nil, des Euphrat und Tigris, des Indus und Ganges, des Hoangho haben die dort zuerst entwickelten Kulturen ihre Herrschaft kolonisierend ausgebreitet über die Nachbargebiete und größere Kreise in ihren Bereich gezogen. Phönizier, Griechen und Römer haben neben und nach einander durch kolonisatorische Tätigkeit die Mittelmeerländer in ihrer weitesten Ausdehnung zu einer staatlichen und kultu­rellen Einheit verwoben; in dem gewaltigen römischen Reiche, das für den Fortschritt der Geschichte zu erhöhter, zu universaler Bedeutung von so unermeßlicher Wichtig­keit geworden ist, fand sie ihren Abschluß. Seitdem des Menschen Blick gelernt hat, das gesamte Erdenrund zu umfassen, haben die europäischen Völker Staunenswertes