Teil eines Werkes 
Bd. 3, Th. 2 (1899) Vom Abfall der Vereinigten Staaten bis zur Gegenwart / von Alfred Zimmermann
Entstehung
Seite
381
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Aie britische Kokoniatverrvattung und Kotoniak- politik im Assgemeinen.

HWewunderswerth wie die Erfolge der Briten auf kolonialem Gebiete im 17. und 18. Jahrhundert sind, ihre Kolonialpolitik unter­scheidet sich nicht so wesentlich von derjenigen der anderen Kolonial­mächte, wie es oft behauptet worden ist.*) Der Drang, hie halb sagenhaften, reichen Gebiete Indiens und Ostasiens aufzufinden, hat die englischen Entdeckungsreisenden und Kolonisatoren ebenso wie die der anderen Völker mehr als ein Jahrhundert lang geleitet; die Hoffnung, Gold und edle Steine zu entdecken, beseelte die ersten An­siedler New Englands nicht minder stark als einst die ersten spanischen Eroberer in Amerika. Die Privilegirung mächtiger Handels- und Kolonialgesellschaften, die Verleihung von Charters für ungeheuere Kolonialgebiete ist von englischer Seite durchaus nach spanischem Vor­bild geschehen. In Bezug auf Zollwesen und Steuern, Handel, Land­bau, Gewerbebetrieb haben die Briten während des 17. und 18. Jahr­hunderts im Wesentlichen dieselben merkantilistischen Grundsätze wie Spanier, Franzosen, Holländer befolgt, und ihr Vorgehen in Indien und Afrika ist keineswegs von weiteren und erleuchteteren Gedanken getragen worden als das ihrer Mitbewerber. Wenn einzelne fort­geschrittene Geister gelegentlich neue Wege erdacht und empfohlen haben, sind ihre Vorschläge bei den Leitern der englischen Politik auf nicht fruchtbareren Boden gefallen als anderweitig. Der erste Theil dieses Buches bietet dafür mehr als ausreichende Beweise.

Was die ältere britische koloniale Thätigkeit vor der anderer Völker auszeichnet, ist nicht die Weisheit ihrer Leitung, sondern der

*) Bergt. z. B. Röscher und Jannasch: Kolonien, Kolonialpolitik und Auswanderung. Leipzig, 1885. S.^181 ff.