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Verfassungen.
und Tabago bildeten Jahrzehnte hindurch das Government der Windward Islands. Von ihnen besaßen Grenada und St. Vincent gewählte Parlamente bis 1876. Damals wurde hier wie auf den anderen Inseln die Verfassung der Kronkolonien eingeführt. Nur Barbados besitzt ebenso wie die Bahamas noch ein Parlament. Gegenwärtig bilden Sta. Lucia, St. Vincent und Grenada das Government der Windward Islands. Tabago ist zu Trinidad geschlagen, das als Kronkolonie von jeher nur ein ernanntes Council besitzt. Die Verfassung British-Guianas ist noch heute im Wesentlichen so, wie sie der Kolonie einst von den Niederlanden gegeben worden ist. Dem Governor steht als höchste gesetzgebende Behörde ein Court of Policy zur Seite, der aus vier Beamten und fünf gewählten Mitgliedern besteht. Diese Wahl geschieht aber nicht unmittelbar durch die Kolonisten, sondern durch eine Körperschaft von sechs sogenannten „Keisers", welche ihrerseits auf Lebenszeit von den Kolonisten gewählt werden. — British-Honduras, das seit 1862 britische Kolonie ist, während es früher nur als Settlement betrachtet wurde, besaß ein Parlament bis 1870, wo es Kronkolonie wurde.
Drittes Kapitel.
Die gegenwärtige Nothlage Westindiens.
Ungeachtet der großen Fruchtbarkeit dieser Gebiete, des Vorkommens edler Metalle und Kohlen in einigen der Kolonien,*) des Asphalts in Trinidad,**) der werthvollen Hölzer in British-Honduras, ist ein fortdauernder Rückgang ihrer Volkswirthschaft unverkennbar. Das weitaus wichtigste Erzeugniß aller dieser Länder, der Rohrzucker mit seinen Nebenprodukten: Rum und Syrup, an denen früher rasch große Vermögen verdient wurden, vermag eben den Wettbewerb mit dem Rübenzucker nicht auszuhalten. Der naheliegende Ersatz des Zuckerbaues durch andere tropische Kulturen ist bisher nicht mit dem nöthigen Geschick und Thatkraft versucht worden!
*) Guiana exportirte 1865 für 449 800 Pfund Sterling Gold.
**) 1894 betrug der Export 112 400 Pfund Sterling.