chlutz.
Einzelheiten der Entwickelung und das Wesen der Kolonial- politik der Niederlande sind außerhalb Hollands gegenwärtig weit unbekannter als die koloniale Tätigkeit anderer Staaten. Es ist schwer zu beurteilen, ob die lange von der niederländischen Verwaltung, wie früher von den Kompagnien, beobachtete Geheimniskrämerei oder die auf kleine Kreise beschränkte Bekanntschaft mit der holländischen Sprache im Auslande oder Mangel an Interesse an der kolonialen Politik der Niederländer die Ursache dieser Erscheinung sind. Vielleicht haben alle diese Umstände zusammengewirkt und verschuldet, daß seit langen Jahrzehnten außerhalb Hollands kein brauchbares Buch über Geschichte und Lage der niederländischen Kolonien erschienen ist. So kommt es, daß die merkwürdigsten Ansichten darüber vielfach verbreitet sind, daß man mit gleichem Mangel an Sachkenntnis die Einrichtungen in den niederländischen Kolonien über Gebühr lobt oder tadelt, und daß man Streitschriften, wie die von Multatuli, die ebenso gut gegen beinahe jede andere Staatsoder Kolonialverwaltung gerichtet werden könnten, so lange kein zuverlässiges Mittel gegen Tropenkoller und Größenwahn entdeckt ist, vielfach recht einseitig beurteilt.
Was äußerliche Ereignisse, Heldentaten zu Wasser und zu Lande und überraschende Entwickelungen anbelangt, ist die Kolonial- geschichte der Niederlande weit ärmer als die der anderen Mächte. Bei ihr handelt es sich immer nur um Vorgänge auf verhältnismäßig beschränktem Gebiete und um kaufmännische Tätigkeit und Erwägungen. Wie die Niederländer als einziges der kolonisierenden Völker von Anfang an ganz bewußt mit ihren Zügen nach den überseeischen Ländern lediglich Zwecke des Handels verfolgten, so haben sie auch den Lauf der Jahrhunderte hindurch niemals Landhunger oder unklaren Drang nach Aufsuchung neuer, unbekannter