Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1903) Die Kolonialpolitik der Niederländer : mit einer Karte in Farbendruck / von Alfred Zimmermann
Entstehung
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Die Anfänge kotonial'er Zlnternel)immgen.

Eie Entdeckung des Seeweges ums Kap der guten Hoffnung und die Ablenkung des indischen Handels vom Roten und Mittel­meere nach Portugal ist den Niederländern und Flamländern kaum minder zu Gute gekommen als den Portugiesen. Während letztere über größere Handelsbeziehungen in Europa nicht verfügten, standen die niederländischen Städte zu Anfang des 16. Jahrhunderts bereits von alters her in regem Verkehr mit den nördlichen und westlichen Staaten Europas. In den Niederlanden war damals schon der Hauptmarkt für gesalzene und getrocknete Fische, Getreide, Gegen­stände des Schiffbaus, Spiritussen und Metalle. Die Erzeugnisse ihrer für jene Zeit hochentwickelten Industrie wurden überall hochgeschätzt. Schon 1536 war Amsterdam imstande, aus eigener Kraft eine Flotte von 40 großen Schiffen auszurüsten, und all­jährlich dreimal sandten die Niederlande etwa 700 Fahrzeuge auf den Heringsfang aus. Den Portugiesen war es willkommen, daß sie für die Erzeugnisse Indiens in den Niederländern bereitwillige und zahlungsfähige Abnehmer fanden und sich somit um Ver­wertung des Ergebnisses der Jndienfahrten nicht weiter zu kümmern brauchten. Und für die Niederländer, besonders für Antwerpen, Brügge und Gent, erwies sich dieser Handel, den sie bald völlig monopolisierten, sowie die Versorgung der Pyrenäen-Halbinsel mit Schiffbaumaterial und Jndustrieerzeugnissen als höchst vorteil­haft. Ihr Reichtum und ihre Macht wuchsen von Jahr zu Jahr. Sie bildeten sich zur ersten Seemacht der Welt jener Zeiten aus.

Es war daher nicht zu verwundern, daß sie es ängstlich ver­mieden, die Ansprüche Spaniens und Portugals auf Alleinbesitz der

Die europäischen Kolonien V (Holland). 1