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Bd. 8 (1909) Fürst Bismarck und die Kolonialpolitik / von Kurt Herrfurth
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Kapitel IX.

Die Stellung des Fürsten Bismartt zur Kolonialpolitik nach seiner Entlassung.

Am 20. März 1890 wurde Fürst Bismarck aus seinen Ämtern als Reichskanzler, Präsident des preußischen Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten entlassen, nachdem er 40 Jahre lang an ein Leben gewohnt war, ebenso reich an Arbeit, Aufregung und Sorgen, wie an Macht und Erfolgen. War er auch in seinem Bestreben auf Wahrung der europäischen Machtstellung Deutschlands zuerst nur zögernd auf dem Gebiet der Kolonialpolitik vorgegangen, so war er andererseits, nachdem er einmal diesen Weg betreten hatte, stets mit dem diplomatischen Geschick und der Tatkraft, die ihn aus­zeichneten, für die Erhaltung und den Ausbau des einmal Erworbenen eingetreten und hatte es verstanden, Übergriffe anderer Mächte, durch die berechtigte deutsche Interessen verletzt wurden, entschieden zurück­zuweisen.

Sein Nachfolger wurde Graf von Caprivi, der sich offen zu dem Politischen Grundsatz bekannte:Je weniger Afrika, desto besser" und infolgedessen während seiner Amtsführung gerade auf dem Gebiet der Kolonialpolitik manchen nicht wieder gut zu machenden Mißgriff begangen hat. Während seiner Amtszeit trat ein vollständiger Wandel in der Be­handlung der bisherigen Kolonialpolitik bei der Reichsregierung ein, der sich besonders in der Anschauung äußerte, daß die Kolonialpolitik als ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen auswärtigen Politik Deutsch-