Kulturelle und wirtschaftliche Verhältnisse der alten deutschen Siede- lungen von Rio Grande do Sul.
Um auf die geistige Kultur der deutschen Siedelungen zu kommen, so war es in früherer Zeit ein arger Uebelstand, daß viele Zikaden keine Schule hatten. Heute ist wenigstens dieser Uebelstand weggefallen. Das Gebiet der deutschen Siedelung ist ziemlich durchgehend in hinlänglichem Ukaße mit Unterrichtsanstalten versehen. Zum größten Teil sind es jDrivatschulen, in denen der Unterricht in deutscher Sprache erfolgt. Welche Bedeutung dieser letztere Umstand für die Erhaltung des Deutschtums hat, davon habe ich schon gesprochen. Zm übrigen aber läßt sich von den Schulen der Kolonien wenig Gutes berichten. Außer den von gebildeten Theologen geleiteten verfügen nur wenige dieser Anstalten über Kräfte, die den Anforderungen ihrer so überaus wichtigen Aufgabe entsprechen. Wer die Stellung eines Kolonieschulmeisters annimmt, der tut es gewöhnlich nicht aus innerem Beruf. Ein großer Teil der Lehrer besteht aus Kolonieeingesessenen, die nicht die körperliche Leistungsfähigkeit haben oder die zu bequem sind, sich ausschließlich durch Kolonistenarbeit oder Handwerk zu ernähren, im übrigen aber nicht einmal fehlerfrei schreiben können. Viele andere sind Einwanderer aus Deutschland, die die Lehrerstellung als Anfangsstufe zu einer glänzenderen Zukunft und häufig genug die Branntweinflasche als einzigen Trost der minder glänzenden Gegenwart betrachten.
Die Stellung eines südbrasilischen jAkadenlehrers ist in der Tat nichts weniger als beneidenswert. Der Lehrer ist der Angestellte der Schulgemeinde, und daß diese Brotgeberin ihre wirtschaftliche