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Ritte und Rasttage in Südbrasilien : Reisebilder und Studien aus dem Leben der deutschen Siedelungen / von Wilhelm Lacmann
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Das volkstum der alten deutschen Siedelungen von Nio Grande do Sul und seine Stellung im Staate.

JA"! habe den Leser in ziemlicher Lile durch das Hauptgebiet der deutschen Siedelung von Nio Grande do Sul geführt, habe ihm dieses und jenes Bild aus ihrem Leben gezeigt. Line allgemeinere Darstellung der Verhältnisse aber bin ich ihm noch schuldig.

Nationales Selbstbewußtsein, stolzes Festhalten an der Volks­eigenart ist im allgemeinen nicht die stärkste Seite deutschen Wesens. Die Tatsache ist ebenso unbestreitbar wie traurig. In j)orto Alegre tritt sie augenfällig genug zutage. Um so merkwürdiger mag die Zähigkeit erscheinen, mit der die Deutschen der ländlichen Stel­lungen in Nio Grande, wie ja auch in Santa Tatharina, ihr volks- tum bewahrt haben.

worin sollen wir die Gründe dieser Tatsacl^e suchen?

Line wichtige Nolle spielt jedenfalls der konservative Geist unseres Bauernstandes, der weniger gern und leicht als der an Veränderungen gewöhntere, zu Veränderungen geneigtere Städter Altüberkommenes aufgibt. Und die Siedler, die die alten deutschen Kolonien Südbrasiliens schufen, bestanden zum weitaus überwiegen­den Teile aus Kleinbauern und Bauernknechten. Freilich sind auch Städter aus Deutschland in die Kolonien gekommen. Doch waren sie, wie gesagt, in der Minderzahl. Auch haben sich die meisten von ihnen, weil sie sich in das Einsiedlerleben nicht finden konnten, gerade so wie heute in die Städte verlaufen.

Allein in diesem Umstände, in dem Ueberwiegen des Bauern­standes unter den alten Ansiedlern, liegt nicht der ganze Grund der Erhaltung des Deutschtums in den südbrasilischen Kolonien.