Druckschrift 
Ritte und Rasttage in Südbrasilien : Reisebilder und Studien aus dem Leben der deutschen Siedelungen / von Wilhelm Lacmann
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Porto A legre.

Line unerquickliche Dampferfahrt. Aus der Wildnis in eine Großstadt ver­setzt. Spaziergang durch Porto Alegre. Deutsches Leben; Michel und Miguel.

Um neun Uhr sollte der Dumpfer von Säo Sebastiäo ab­gehen. Line Art Reisefieber, das mir sonst fremd ist, hatte mich getrieben, bereits um viertel nach neun Uhr an Bord zu erscheinen. Ich mußte infolgedessen noch eine kleine Stunde warten, bis end­lich das in rechtschaffenen Reisebeschreibungen herkömmliche Vi­brieren durch den in diesem Falle etwas hinfälligen und schlecht gewaschenen Schiffskörper ging und derLa^ador" sich cahyabwärts in Bewegung setzte. Ls wurde eine ziemlich unerquickliche Fahrt. Die Landschaften der Flußufer sind zwar nicht reizlos, doch ein­tönig. Aufs Verdeck brannten die Sonnenstrahlen heiß hernieder, und drunten in der Kajüte räkelten sich etliche brasilische Fahr- gäste, der Röcke und Stiefel ledig, auf den schäbigen Sofas. Sie gaben ihr Lager auch während der Mahlzeit nicht auf, bei deren Auftragen es der gelbbraune Stewart für angezeigt hielt, über das Servierbrett hinwegzuspucken.

Nachmittags liefen wir in den Guahyba, jenes gewaltige Fluß­becken ein, das durch den Zusammenfluß des Iacuhy, des Lahy, des Rio dos Sinos und des Gravatahy entsteht. Line Weile später tauchten aus der gelblichen Flut die weißschimmernden Häuser von Porto Alegre und der ragende, doppelgetürmte Bau der Igreja da Nossa Senhora das Dores empor. Noch war das Bild ver­schwommen und hinter bewaldeten Inseln halb verborgen. Jetzt aber fängt Licht und Schatten an, schärfer hervorzutreten, die Linien der staffelförmig ansteigenden Stadt beginnen sich deutlicher und breiter zu entwickeln. Die Igreja Matriz und das städtische Kranken­haus, die Santa Lasa da Misericordia, grüßen von der Höhe