Deutsche Siedelung in Rio Grande do Sul.
Bevor ich in meiner Erzählung fortfahre, will ich einen kurzen Ueberblick über die Kolonisationsgeschichte des Staates Rio Grande do Sul geben.
Das Land begann etwa um die gleiche Zeit wie Santa Katharina Ziel der deutschen Auswanderung zu werden. Im Jahre
begründete der Kaiser Dom Pedro I. auf den Ländereien einer kaiserlichen Domäne an den Ufern des Rio dos Sinos die deutsche Kolonie SZo Leopolds. Im Jahre s826 wurden nahe der Küste zwei weitere Kolonien, Tres Forquilhas und Torres, angelegt, die indessen nur geringe Bedeutung erlangten. Die ersten Ansiedler für Säo Leopolds warb ein Major von Schäffer aus Bremen, ein übelberüchtigter Abenteurer. Unter den Einwanderern, die er für Brasilien gewann, war, wie Tschudi berichtet,*) viel verworfenes Gesindel, z. B. eine Anzahl Sträflinge eines mecklenburgischen Zuchthauses. Diese Elemente waren ein großer Nachteil für die Kolonie. Noch andere Mißstände traten hinzu; zumal die Verzögerung und die Ungenauigkeit der Landvermessungen und die Willkürherrschaft des Inspektors der Kolonie, eines sitten- und gewissenlosen Menschen mit Namen Jose Thomas de Lima. Wiederholt kamen Ueberfälle durch die Indianer vor; bei einem dieser Ueberfälle, der in der picada dos Dois IrmLos stattfand, wurden elf Menschen von den Wilden erschlagen. Erst seit dem Jahre is852 hat die Beunruhigung der Kolonie durch die Buger aufgehört.
Die fortschreitende Besiedelung brasilischen Landes mit deutschen Ackerbauern rief die Mißgunst der einheimischen Grundbesitzer
*) Reisen durch Südamerika, Bd. IV, S. 19 ff.