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Ritte und Rasttage in Südbrasilien : Reisebilder und Studien aus dem Leben der deutschen Siedelungen / von Wilhelm Lacmann
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Das Hochland von Tages.

Eine weltcntlegene 5tadt. llrsprünglichkeit der Lebensverkältnisse. Viehzucht auf dem Kamp. Der Aampreiter. Zureiten wilder Pferde; Earreira. Ackerbau. Deutsche auf dem Hochlande von Lages. Vorbereitung zur tveiterreise.

Am folgenden Morgen unternahm ich einen Gang durch Tages. Es ist eine kleine Stadt von etwa 5000 Einwohnern. Das Tages­licht enthüllte neue Schatten ihrer Straßenbilder: halbverfallene Hauswände, aus denen morsches Fachwerk hervorschaut, baufällige Treppenaufgänge, statt der Fenster häufig glaslose, nur durch Läden verschließbare Luken, armselige Kramläden, ein Theatergebäude, das mit seinen zerbröckelten Mauern und zerbrochenen Fenstern die traurigste Spezies von Musentempel darstellt, die mir je vorgekom­men; dazu die jämmerlichen Straßen mit ihren Buckeln, Löchern und jDfützen. Kurzum, es ist ein trostloses graues Nest, dieses Lages. Ein paar zerlumpte Negerschöne, die sich zu diesem oder jenem Zwecke auf der Straße herumtreiben, tragen nicht zur Hebung des Bildes bei. Man trifft überhaupt ziemlich viele Schwarze hier in Lages. Auch als ich in das Markthaus eintrat, sah ich in der sonst fast leeren Halle ihrer etliche hocken, alte Kerle mit schmutzigen weißen Krausbärten, um sie her eine Schar ungekämmter Kinder, die mit ihnen um ein paar Drangen feilschten.

An industriellen Anlagen besitzt Lages nur eine, und diese ge­hört bezeichnenderweise einem Deutschen. Es ist die Brauerei des Herrn Heidrich.

Drunten im Küftenlande die deutschen Koloniestädte mit den schmucken Häuschen, den farbenprächtigen Gärten, mit der streb­samen Bevölkerung, und hier auf dem Hochlande Lages. Lages und Zoinville, Lages und Blumenau, das sind Gegensätze wie Nacht und Tag.