Wirtschaftliche Verhältnisse der Kolonie Blumenau.
Die ursprüngliche Form der Bodenwirtschaft in den Urwald- kolonien Südbrasiliens ist ein ausgesprochener Raubbau. Der Wald wird durch Axt und Feuer vernichtet, der Boden eine Reihe von Jahren hindurch bebaut, bis seine Ertragsfähigkeit aufgebraucht ist. Dann bleibt das Grundstück eine Zeitlang als Brachland liegen, um hierauf von neuem in Kultur genommen zu werden, bis es wieder ausgesogen ist. In dieser Meise geht es fort. Hat sich der Boden genügend ausgeruht, so wird er bepflanzt, ist er durch die Bepflanzung ausgesogen, so überläßt man ihn sich selbst oder legt höchstens eine Viehweide darauf an.
In der Kolonie Blumenau hat die Landwirtschaft seit den letzten Jahrzehnten gewisse Fortschritte gemacht. Zunächst ist eine Reihe von Kolonisten an Stelle der früheren ausschließlichen Bestellung des Feldes mit der Hacke zum Gebrauch von Pflug und Egge übergegangen. Doch ist dieser nur auf nicht zu stark geneigten! Lande üblich. An steileren Hängen vermeidet man ihn, weil dort bei stärkerer Lockerung des Bodens die Gefahr besteht, daß die ganze Humusdecke, deren Tiefe nicht sehr bedeutend ist, durch Regengüsse zu Tal gespült wird.
Ein anderer Fortschritt der Blumenauer Wirtschaft ist der, daß der Kolonist seinen Boden nicht mehr durch Bepflanzen bis zum Eintritt zeitweiliger Ertragsunfähigkeit ausnutzt, vielmehr ihn schon vorher mit „Gramme", d. h. Meidegras, bepflanzt. Der so entstehende „Past" liefert ein ausgezeichnetes Viehfutter.
So wurde eine ausgiebige Milchwirtschaft und eine reichlichen Ertrag an Schmalz liefernde Schweinezucht möglich. Unter den Aus-