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Ritte und Rasttage in Südbrasilien : Reisebilder und Studien aus dem Leben der deutschen Siedelungen / von Wilhelm Lacmann
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aber sauberes Gasthaus" konnte man die Herberge auch nicht nen­nen; dazu fehlte die Sauberkeit. Nur die Einfachheit ließ nichts zu wünschen übrig. Ein paar Tische, ein paar Bänke und Stühle machten die ganze Ausstattung des Wirtszimmers aus. An dieses stieß ein ebenso einfach möblierter Naum, der aber noch einen Herd ent­hielt und als Küche und Aufenthaltsort für die Familie diente. Auf mein Verlangen nach Quartier wurde ich eine schmale, dunkle Treppe hinauf in eine Mansardenstube geführt, in der drei Betten standen. Sie waren sämtlich sehr offensichtlichermaßen schon gebraucht. Ich fragte das Mädchen, das mich begleitete, welches davon das meine sei. Sie entgegnete, welches ich wolle, ich hätte das Zimmer für mich allein. Auf meine Aufforderung, eines der Betten frisch zu überziehen, ging sie hinaus und kam mit frischen Tüchern, vorher aber hatte ich einen dermaßen verwunderten Blick bekommen, daß ich merkte, ich habe etwas durchaus Ungewöhnliches verlangt und müsse mich in die Sitten des Landes erst noch finden.

Im Wirtszimmer wurden zwei Tische aneinandergerückt, an denen die Einwanderer Ellbogen an Ellbogen Platz nahmen. Zwei barfüßige Mädchen trugen das Essen auf. Nachdem die Mahl­zeit beendet war, gingen die Leute gleich wieder nach dem Emp­fangsschuppen zurück, in dem sie die Nacht zubrachten. Jetzt wur­den die Tische wieder auseinander gestellt, und auf den einen kam ein schmieriges Tischtuch. An der also geschmückten Tafel setzte ich mich mit etlichen andern Gästen zum Essen. Außer einem mächtigen Brocken weich gekochten Rindfleisches, von dem sich jeder mit seinem Messer nach Belieben Herunterschnitt, stand auf dem Tisch eine große Schüssel mit schwarzen Bohnen, dem berühmten brasilischen Nationalgericht, eine andere mitFarm", d. h. Mandiok- mehl, und eine dritte mit einer kartoffelartigen Frucht, die mir als Aipim bezeichnet wurde. Die schwarzen Bohnen schmeckten mir ausgezeichnet, ebenso der dicke Brei, den ich mir nachher nach dem Beispiel der andern aus Bohnen und Farin zusammenmischte. Die Aipim sagten mir weniger zu. Sie haben einen eigenartig süßlichen Geschmack, an den man sich erst gewöhnen muß. Als Getränk gab es einen dunkel aussehenden Tee, sogenanntenMate", ein in Südamerika außerordentlich verbreitetes Genußmittel. Er wird aus den Blättern des Mate- oder Paraguaytee-Baumes ge­wonnen, der namentlich in Paraguay, aber auch in gewissen Strichen von Südbrasilien wächst.