Berlnsterung des Deutschtums. — Zahl der Deutschen 117
Reichsdeutsche und Anslanddeutsche.
Die Zahl der Deutschen auf unserem Planeten nähert sich der hundertsten Million. Einige 60 Millionen leben im Deutschen Reich, einige 30 Millionen außerhalb seiner Grenzen. Von den Millionen der Auslanddeutschen weist nur ein geringer Bruchteil Beziehungen zu unserem Staate auf. Reichsdeutsch und deutsch sind eben zwei verschiedene Dinge. Am 22. März 1911 ist in Kiel der Stapellauf eines neuen Linienkreuzers erfolgt. Die Kaiserin hat das Schff auf den Namen „Kaiser" getauft. Bethmann Hollweg hielt die Taufrede: „Deutsche Arbeit fügte dich auf deutscher Werft, auf daß du en Schutz seiest für deutsche Arbeit überall auf dem Erdenrund. Treue zum Kaiser in den Herzen deiner Mannen wird der Kompaß sein, nach dem du steuerst, auf daß du Treue zur Heimat Pflanzest in den Herzen aller Deutschen da draußen!" Das klingt fast „pangermanisch". Aber selbstverständlich hat der Reichskanzler nicht an jeden beliebigen Auslanddeutschen gedacht. Für unser Deutsches Reich ist der „Deutsche": der Reichsdeutsche. Der amtliche Begriff des Auslanddeutschen ist auf solche Individuen beschränkt, die zu unserem Staate in unmittelbarer Beziehung stehen, d. h. die die Reichszugehörigkeit haben. Insgesamt ist nach den letzten einschlägigen Veröffentlichungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes von 1905 für 708071 Personen im Ausland die Reichsangehörigkeit nachgewiesen. Unter allen Umständen ist es eine verhältnismäßig bescheidene Zahl, der das stolze Wort des Reichskanzlers gilt. Unser Staat muß diesen klaren Standpunkt festhalten. Es ist ein Unding zu fordern, daß er seinen starken Schutz über den streng geschlossenen Kreis seiner Bürger hinaus ins unbestimmte ausdehne.
Was nun gehen uns all die anderen, die ungeheure Masse der,,Auch- deutschen" an? Unser Staat kennt sie nicht. Sie sind für ihn Angehörige einer fremden Macht. Für ihren Schutz zu sorgen oder für ihr Recht einzutreten, ist nicht seines Amtes. Das wäre eine Einmischung in die inneren Verhältnisse eines Fremdstaates, die nach den behutsam leisetreterischen Gepflogenheiten des internationalen diplomatischen Verkehrs ausgeschlossen sein soll. Die Volksseele empfindet anders. Sie faßt den Begriff des Auslanddeutschtums im Sinne der gemeinsamen Sprache und Stammesart. In diesem Sinne sind Deutschösterreicher, Deutschungarn, Schweizerdeutsche, Deutschrussen und wo immer in der