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Das Deutschtum im Ausland vor dem Weltkrieg / von Robert Hoeniger
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Das Deutschtum in Übersee

läge organisiert. In den gemischten Gerichtshöfen sitzen reichsdeutsche Mitglieder, und das Deutsche Reich hat mit den anderen Großmächten teil an den Kapitulationen. Der deutsche Gesamthandel mit Ägypten hat sich nach Ausweis der amtlichen Statistik von 19021911 von 64 Millionen Mark auf 141^ Millionen gehoben, also verdoppelt. Dabei ist der deutsch-ägyptische Warenverkehr über italienische und öster­reichische Häfen unberücksichtigt. Die Zahl der im Deutschen Reich Ge­borenen betrug 1897 in Ägypten 1281 Köpfe. MitÖsterreichern(7115) und Schweizern (472) erhob sich die Zahl der Deutschsprachigen nahe an 9000. Heute dürfte sie 1012 000 betragen. Durch Errichtung deutscher Schulen, durch Gründung deutscher Krankenhäuser in Alex- andria und Kairo hat das Deutschtum in Ägypten sich kulturell wirk­sam zur Geltung gebracht. Es wäre dringend zu wünschen, daß von deutscher Seite in dieser Richtung noch eifriger vorangestrebt würde. Man hat darüber gestritten, ob die deutsche Auslandsschule auch Nicht- deutschen zugänglich sein soll. Heute dringt doch wohl mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß ein weitgehendes Entgegenkommen in diesem Betracht deutsche Sprache und deutsche Kultur weiteren Kreisen zuführt und daß dadurch die deutsche Weltgeltung gestärkt wird. Es ist neuerdings betont worden, daß eine weitere Ausbreitung der deutschen Sprache im nahen Orient unter anderem eine bedeutsame Nebenwir­kung erzielen könnte. Es würde dadurch die österreichisch-ungarische Monarchie, die nach der Schweiz und nach dem Deutschen Reich hin an rein deutsche Grenzen stößt, auch im Südosten von weltsprachlich deutschem Gebiet umklammert werden. Für den Weltverkehr kommt von den Sprachen der nichtdeutschen Völker Österreich-Ungarns, ab­gesehen vom Italienischen, keine einzige in Betracht. Die zunehmende Industrialisierung Österreich-Ungarns drängt ebenso auf erhöhte Welt­geltung. wie seine Flottenpolitik der Ausweitung seiner Wirtschafts­interessen zustrebt. Bei einer solchen Entwickelung muß die tschechische, die slowenische oder magyarische Sprache im Wettbewerb mit der deutschen hoffnungslos zurückbleiben. So angesehen ist es kein leerer Traum, daß deutsche Schulen in größerer Zahl an den wichtigsten Plätzen der europäischen und asiatischen Türkei und Ägyptens direkt und indirekt zugunsten der deutschen Sache in Österreich-Ungarn wirken müßten.

Der ferne Orient. Neben der islamitischen Welt des nahen Orients ist in den letzten Jahrzehnten, namentlich seit der Eröffnung des Suez-