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Das Deutschtum in Übersee
brutalen Härte vorgegangen, die sich scharf von der Behandlung der Polen in Preußen abhebt.
Die deutsche Geschäftswelt in den englischen Kolonien. Sehr viel erfreulichersteht es mit den Deutschen, die weit zerstreut in den Zentren des überseeischen britischen Weltreiches sitzen. Der Welthandelsgeist, der neuerdings so kräftig im Deutschen Reiche sich regt, führt zahllose deutsche Geschäftsleute hinaus. Sie sind ein für den Handel steigend in Betracht kommender Faktor. DasDeutsche Reich hat 1910 aus den wichtigsten englischen Kolonien direkt Waren im Wert von rund 944 Millionen Mark bezogen, für 178 Millionen Mark mehr als Großbritannien selbst. Allerdings hat dasDeutscheReich nur für 27 2 Millionen dorthin eingeführt. 1911istdie Ausfuhr auf 959,3 Millionen, die Einfuhr auf 298,8 Millionen gestiegen. Das Verhältnis erklärt sich aus dem Umstände, daß die englischen Kolonien unentbehrliche Rohstoffe liefern. Die indische Ausfuhr z. B. geht zu einem starken Teil nach dem Deutschen Reich (1911 im Wert von 440,3 Millionen). Das verhindert im übrigen eine für das Deutsche Reich ungünstige Zollpolitik und sichert uns einen bescheidenen Teil des Marktes dortselbst. Der Zahl nach ist das deutsche Element in den kolonialen Handelsplätzen nirgends überwältigend groß. Einige Daten für Südafrika und Australien sind bereits angegeben. In ganz Britisch-Indien lebten 1910 1696 Reichsbürtige. Eine trockene Aufzählung der über alle Erdteile verstreuten Umschlagsorte, die hier zu nennen wären, darf füglich unterbleiben, da die Darstellung nicht unbedingte Vollständigkeit, sondern die Gewinnung eines allgemeinen Urteiles anstrebt. Dem englischenKaufmann erscheinen die Deutschen zuweilen als unbequeme Mitbewerber. Das offizielle England behandelt sierücksichtsvollund ritterlich. Das ist an sich ganzselbstverständlich. Ein englischer Kaufmann dürfte in Hamburg oder Berlin schwerlich Gelegenheit haben, andere Erfahrungen zu machen. Immerhin sei hier die Äußerung eines englischen Regierungsvertreters wiedergegeben. Lord Selburne sagte bei der oben (S. 99) berührten Ansprache:
„Wir Briten und ihr Deutsche hier in Johannesburg nehmen eine sehr glückliche Stellung ein. Wir sind in täglicher Berührung miteinander. Wir treffen uns offiziell und geschäftlich. Und was ist die Folge? Wir kennen einander und wir verstehen einander. Nun, meine Herren, die Patrioten in unserem beiderseitigen Vaterland sind nicht in so günstiger Lage. Sie haben nicht die dauernde Berührung miteinander, die wir haben, und die Folge ist, daß sie einander nicht kennen, und darum einander nicht ver-