Verschollenes Deutschtum. — Galizien. Bukowiua. Bosnien 41
212000, 1910: 90114. Zu einem Teil ist die erstaunliche Abnahme der Deutschen dadurch bewirkt, daß die deutschsprachigen Juden Ga- liziens unter dem Druck der rücksichtslos nationalistisch arbeitenden polnischen Landesregierung sich in steigender Zahl zur polnischen Sprache bekannt haben. In den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als Deutsche und Juden noch getrennt gezählt wurden, gab es 90 bis 100000 Deutsche in Galizien, 2 v. H. der Gesamtbevöl- kerung des Landes. Heute gibt die Statistik den Anteil der Deutschen auf 1,12 v.H. an. Der Rückgang ist also unverkennbar, wenn er auch in Wirklichkeit etwas geringer sein mag. Es sind Tausende von Deutschen als Polen gezählt worden. In Ortschaften, in denen evangelische und katholische Deutsche nebeneinander wohnen, entspricht die amtlich festgestellte Zahl der Deutschen genau der Ziffer der Evangelischen. Die katholischen Deutschen hat man als Polen eingetragen. Eine Abnahme der Deutschen hat gleichwohl stattgefunden. Ihre Zahl ist durch Auswanderung nach Übersee und nach Posen und Westpreußen gelichtet. Galizien bietet ein klassisches Beispiel dafür, wie das Polen- tum als herrschende Macht andere Nationalitäten behandelt. Die Ru- thenen werden dort von den Polen brutal unterdrückt und vergewaltigt, und auch den Deutschen wird der Aufenthalt verleidet. Aber in dem zurückgebliebenen Kern des galizischen Deutschtums, weit überwiegend deutsche Bauernsiedlungen, ist neuerdings der Wille, an deutscher Sprache und Art festzuhalten, lebendiger hervorgetreten. Der Verein der christlichen Deutschen in Galizien ist mit Erfolg bestrebt, die im Lande verbliebenen Reste zu sammeln und in sich zu kräftigen.
In der Bukowina haben die Deutschen (1910: 168851 Köpfe) eine starke und aussichtsreiche Stellung errungen. Dagegen ist in Bosnien seit der Gewährung einer selbständigen Landesverfassung das dortige Deutschtum (etwa 16000 Seelen) in seiner bislang aufstrebenden Entwicklung gefährdet. Die kroatische Mehrheit des bosnischen Landtages drängt planmäßig die deutsche Schule zurück. — Es sind verhältnismäßig bescheidene Ziffern, um die es bei den Deutschen Galiziens, der Bukowina und Bosniens sich handelt. Sehr viel größer ist ihre Zahl in Ungarn und in Rußland.
Ungarn. Die Länder der Stephanskrone hatten nach der Zählung vom Jahre 1900 unter 19254559 Einwohnern:
8 742 301 Magyaren.45,4 v. H. d. Ges.-Bev.
2 799479 Rumänen.14,5 „ „ „ „ „