Teil eines Werkes 
Bd. 2, Th. 1 (1898) Von den Anfängen bis zum Abfall der Vereinigten Staaten : mit drei farbigen Karten in Steindruck / von Alfred Zimmermann
Entstehung
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Tabakbesteuerung.

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bezeichnete jeden solchen Vertrag für unannehmbar, der nicht wenigstens jährliche Abnahme von mindestens 3M 000 Pfund Tabak zu 3 Schilling fürs Pfund verbürge. An diesem bestimmten Einspruch der Kolonie scheiterte auch dieser neue Plan.

Aber König Charles gab die Hoffnung nicht auf, aus der Kolonie höheren Nutzen als bisher zu ziehen. 1628 richtete er ein Schreiben anGovernor and Council" von Virginien. Er sprach darin zuerst sein Mißfallen über dre langsame Entwickelung des Landes aus und bedauerte, daß statt auf Theer, Seife, Potasche, Salz, Eisen, Holz und Wein sein Wohlstand ganz auf Rauch be­gründet sei. Eine Wiederzulassung spanischen Tabaks oder des Tabak­baues in England könne unter den obwaltenden Verhältnissen die Kolonie ruiniren. Es sei nöthig, den Tabakbau einzuschränken und zu ordnen. Um das zu erreichen, bot er dem Council an, von Staats wegen jährlich die ganze Tabakernte zu kaufen und zwar in London für 3 Schilling vom Pfund! Die Kolonie sollte die Pflanzer veranlassen, je nur eine bestimmte Menge Tabak zu bauen, und außer­dem über die Güte des Erzeugnisses wachen.

Governor und Council gingen hierauf ein, aber sie verlangten, daß der König sieben Jahre lang zunächst jährlich mindestens 500 000 Pfund, und zwar zu 3 Schilling 6 Pence in Virginien oder 4 Schilling in London, abnehme und auf Zölle davon verzichte. Außerdem forderten sie Erlaubniß zum freien Verkauf des Ueberschusses der Produktion im Auslande und Zugeständniß einer Erweiterung des Tabakbaues. Diese Bedingungen erschienen dem König unannehmbar. Er ließ den Plan des Monopols fallen und begnügte sich mit Zöllen. Von spanischem Tabak wurden 2 Schilling fürs Pfund, von dem aus Barbados und anderen westindischen Kolonien 12 Pence, von dem Virginiens und der Bermudas-Inseln gar nur 9 Pence erhoben! Um den Ertrag dieser Zölle zu steigern, wurde 1627 und 1631 aufs Neue der Tabakbau in England streng verboten und die hier vorhandenen Felder zerstört. Außerdem geschahen mehrfache Schritte, um den immer noch stattfindenden direkten Export von Tabak aus Virginien nach Holland zu verhindern oder wenigstens zu erschweren. Eine Zeit lang wurde holländischen Schiffen die Ausfuhr von Tabak nach Zahlung des sonst in England erhobenen Zolls aus Virginien gestattet. Doch bald schritt man dagegen wieder ein, um nicht die holländische Schifffahrt zu fördern.

Die europäischen Kolonien II (England, 1. Bd.).

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