Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1896) Die Kolonialpolitik Portugals und Spaniens : in ihrer Entwickelung von den Anfängen bis zur Gegenwart : mit einer Karte in Steindruck: Übersicht des portugiesischen und spanischen Kolonialbesitzes gegen Mitte des 16. Jahrhunderts / dargest. v. Alfred Zimmermann
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Verhandlungen mit Holland.

wurde durch Stürme zerstreut und von den Holländern in mehreren Gefechten geschlagen. Nnr wenige Schiffe kamen glücklich zurück. Die slandtruppen vermochten ohne Flotte auch nichts auszurichten. Ihnen gelang es jedoch, wenigstens das holländische Gebiet schwer zu verwüsten und ohne große Verluste wieder nach Bahia zu kommen. Die Holländer haben das freilich bald wieder durch Ueberfälle der Küstenorte gerächt.

Beide Kolonialmächte litten unter diesem ewigen Kriege gleich­mäßig, und Graf Nassau schlug daher 1640 dem inzwischen von Portugal in Salvador eingesetzten Bizekönig Jörge Mascarenhas Abschluß eines Waffenstillstandes vor. Der Vizekömg ging darauf ein. Er sandte eine Abordnung nach Recife, um zu unterhandeln. Unter der Hand scheint er dabei aber versucht zu haben, Nassau zum Abfall von Holland zu gewinnen,*) und soll auch neue Freischaaren nach Neuholland geschickt haben.

Drittes Kapitel. l640 bis l8l5.

Die Verhandlungen schwebten noch, da riß sich am 1. Dezember 1640 Portugal von Spanien los und erkannte Joäo IV. von Braganza als König an. Brasilien folgte ebenso wie Portugiesisch Afrika und Indien sofort dem heimischen Beispiel und huldigte dem neuen König. Damit kam Portugal in ein gänzlich verändertes Verhältniß zu Holland. Es wurde aus einem Feinde plötzlich der Freund und Ver­bündete der Generalstaaten gegen Spanien. Der Vizekönig bot daher dem Grafen Nassau nunmehr aufrichtig sofortige Rückziehung der beiderseitigen Truppen an und ging seinerseits sogleich damit vor. Die portugiesische Regierung schlug gleichzeitig im Haag ein Schutz- und Trutzbünduiß gegen Spanien vor, verlangte aber dabei auch Rückgabe der Portugal während seiner Union mit Spanien ab­genommenen Kolonien. Davon wollten die Holländer nun allerdings nichts wissen. Sie gingen zwar auf Frieden und Bündniß ein, die

*) Wie ein Brief des Mascarenhas, den Graf Nassau nach dem Haag gesandt hat, beweist, hat man Nassau den Oberbefehl der gesammten brasilianisch­portugiesischen Macht angeboten, um damit gegen Spanien zu kämpfen.