V o r w u r t.
WhM'ie Beschäftigung mit den Bedürfnissen und Aufgaben der <8^ heutigen deutschen Kolonialpolitik hat den Berfasser veranlaßt, den Erfahrungen der Völker, welche auf dem Gebiete der überseeischen Politik bahnbrechend gewirkt haben, nähere Aufmerksamkeit zu widmen. Wie wohl Jedem, der solche Studien treibt, ist ihm dabei der Mangel einer umfassenden und einigermaßen erschöpfenden Darstellung der Geschichte der kolonialen Politik störend fühlbar gewesen. Es giebt vortreffliche Arbeiten über einzelne Zeitabschnitte, Länder oder besonders hervorgetretene Persönlichkeiten in den Litteraturen der verschiedenen Völker, aber ein umfassendes handliches Werk, welches die Thätigkeit der verschiedenen Nationen unter gleichem Gesichtspunkte und im Zusammenhange vorführt, fehlt vollständig. Besonders arm auf diesem Gebiete ist die deutsche Litteratur. Nur einige wenige und dabei kaum noch gelesene Arbeiten, z. B. von Handelmann, Neumann, Gervinus, Saalfeld, sind in ihr für den Kolonial- politiker brauchbar.
Die Aufgabe, eine solche Lücke streng wissenschaftlich auszufüllen, übersteigt die Kräfte eines einzelnen Gelehrten, zumal ein großer Theil des Tluellenmaterials noch gar nicht gedruckt oder in solcher Form nur veröffentlicht ist, daß Jahre zu seiner Verarbeitung erforderlich wären. Indessen dürfte es möglich sein, mit Hülfe des an vielen Stellen verstreuten Stoffes und an der Hand der Vorarbeiten der Forscher verschiedener Nationen wenigstens für den Bedarf des praktischen Politikers eine zusammenhängende Darstellung der kolonialpolitischen Entwickelung der wichtigsten Staaten zu entwerfen. Der Verfasser hat in dieser Weise zunächst die kolonialen Erfahrungen der Portu-