beider Missionen über gewisse Grundsätze einigen, die bei der Christenlehre der Heiden zu befolgen wären. Sicherlich würde es ja den Vertretern beider Missionen viel Selbstüberwindung kosten, den ersten Schritt in dieser Angelegenheit zu thun, da Jeder, der ihn wagt, sich bei seinen Glaubensgenossen in den Verdacht zu setzen fürchten müßte, einen Theil seines Glaubens opfern zu wollen.
Möge daher eine unparteiische Instanz, wie der Staat oder die Deutsche Kolonialgesellschast, es versuchen, diesen erstell Schritt zu erleichtern, indem sie eine Preisausgabe etwa folgenden Wortlauts aufstellt: Inwieweit erscheint es mit den Grundsätzen der beiden christlichen Konfessionen vereinbar, die Verschiedenheiten in den Lehrsätzen derselben bei der erstell Unterweisung der Heiden in der christlichen Lehre nicht hervortreten zu lassen? Es müßten zwei Preise ausgesetzt werdeu, einer für eine Bearbeitung durch einen Protestantischen, der andere für eine solche durch einen katholischen Theologen. Die an diese Schriften sich sicherlich anschließende literarische Fehde würde wohl schon genügend zeigen, ob und inwieweit eine Einigung zu erzielen sein würde.
Schlußwort.
Den richtigen Mittelweg zu finden zwischen optimistischer Phantasterei und pessimistischem Omietismus, das scheint mir als oberster kolvnisationstechnischer Grundsatz, freie Bewegung, Förderung und Schutz deu Europäern, wohlwollender Zwang gegenüber den Eingeborenen, das scheint mir als der leitende kolonialpolitische Grundsatz gelten zu müssen.
Während im Anfang unserer kolonialen Thätigkeit die jugendliche Begeisterung, die ja in diesen denkwürdigen Zeiten der geistigeil Erhebung unseres Volkes oft selbst die ältesten Männer ergriffen hatte, uns zu allzu optimistischen Hoffnungen und vielfach auch zu vorschneller, überstürzter Thätigkeit hingerissen hat, ist gegenwärtig ein Stadium unserer kolonialen Entwickelung eingetreten, in welchem nicht der Zügel, sondern der Sporn kräftig angewendet werden muß. Anfängliche Mißerfolge haben die in der Sache darinstehenden Unternehmer, zum Theil wenigstens, stutzig, das noch nnbetheiligte Kapital zaghaft gemacht. Und dakomnlt denn auchsogleichderdeutscheSchlafmützelckräger,der niemals fern bleibt, wenn es gilt Wein mit Wasser tüchtig zu mischen, und erhebt mit seiner nüchternen Verständigkeit aus seinem kritischen Ofenwinkel hervor seinen warnenden Zeigefinger. Beschränken sollte man sich, denn „in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister". Beschränken sollte man sich aus den Handel, schreit der Eine, beschränken auf den Handel an der Küste, ergänzt der Zlveite, beschränken sollte man sich wenigstens, giebt der Dritte zu, wenn man nun schon durchaus das Kontor verlassen will, aus Förderuug der Produktion der Eingeborenen, zum miudesten fügt der ganz kuragirte Vierte hinzu, sollte nun: sich, wenn nun durchaus ein bischen Plantageitb au mit unterlaufen soll, auf deu Anbau der im Lande einheimischen Gewächse beschränken. Und so schreit denn der Chor der „Nüchternen" mir die Wette nach Beschränkungen, und der vorsichtige deutsche Kapitalist, sympathisch angebiedert von so