Druckschrift 
Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

84

III. Die zweite Kolvnisationsstuse.

Es ist irr letzter Zeit hier und da ein gewisser Gegensatz in den Anschauungen über die richtige Verwerthung der ostafrikanischen Kolvnie hervorgetreten, der sich, wenn ich recht unterrichtet bin, auch innerhalb der Deutsch-vstasrikanischen Gesellschaft geltend gemacht hat. Die Einen behaupteten, zur Zeit sei die Kolvnie noch nicht so vorgeschritten, daß sich ein Plnntagerrbar: in großem Maßstabe treiben ließe, man müsse vielmehr vorerst die Eingeborenen dazu anhalten, einerseits die von der Natur gegebener: Erzeugnisse, insbesondere Kautschuk, Orseille und Kopal irr größerem Umfange als bisher zrr sammeln, andererseits export­fähige und von ihnen seit langer Zeit' angebaute Produkte mehr als bislang anzubauen. Die Andern wollten von einer derartigen kauf­männischen Thätigkeit nicht viel wissen, sondern befürworteten die Aus­dehnung des Plantagenbaues. Mir scheint nun zweifellos zu sein,

daß gewisse Gebiete unserer Kolonie, wie insbesondere die Küstenregion und Tarigalarrd irr Folge der langjährigen arabischer: Kultur sowohl, wie aus Grund der schon seit langer Zeit über den eigenen Bedarf

vor: den Eingeborenen hinaus betriebener: Landwirthschaft, diejenige

wirthschaftliche Entwickelung erreicht haben, die es gestattet, mit Hülfe der einheimischen Arbeitskräfte Plantagenbau zu betreiben, wo die

natürlichen Verhältnisse ihr: als arrssichtsvvll erscheinen lassen. Anderer­seits wird sich in den Gebieten, wo diese Bedingungen nicht vorhanden sind, auch der Betrieb der zweiten kolonialen Entwickelungsstufe als Vortheilhaft erweisen und zwar sowohl für Sammelprodukte, deren Eirr- sammlung durch angestellte Arbeiter der Europäer, wegen des meist mit dem Sarrrmelbetrieb verbundenen Zeitverlustes sich niemals als Vortheil- haft erwiesen hat, als auch für solche landwirtschaftliche Nutzpflanzen, die auch auf geringwerthigen Boden noch gedeihen, ohne besonders schwierige Bearbeitungen weltmarktsfähig gemacht werden können, den: Europäer aber voraussichtlich nur eurer: geringen Nutzen abwerfen würden. Gerade aus diesen Gründen war es eirr sehr richtiger koloni- sationstechnischer Gedanke des ehemaligen Direktors der D. O. A. G., Herrn Konsul Vohsen in den Küstengebieten, in denen Sesam noch nicht irr großem Umfange angebaut wird, Samen an die Eingeborener! zu vertheilen, und ist es Herrn Hauptmann Krenzler, welcher überhaupt eirr lebhaftes Bemühen zeigt, auch für die wirthschaftliche Fvrtentwickelung seines Bezirks zu sorgen, zu großem Verdienst anzurechnen, daß er nach Möglichkeit versucht, die Bewohner desselben zur Ausdehnung der S esarnkultrrr anzrrh alten.

Irr: allgemeiner: darf rrrarr sich aber keinen zrr großer: Hoffnungen hingeben, daß durch bloßes Zureden, ja selbst durch die Jnaussichts- stellurrg höherer Preise soweit eure solche der Weltmarktspreis ein­mal zulassen würde der Neger seine Produktion irr beträchtlichen: Umfange erweitern werde. Ich halte daher das von Vvhser: aufge­stellte allgemeine Kolvnialprogramrr: für unausführbar, weil in sich widerspruchsvoll. Er verwirft die selbstthätige Produktion der Europäer, will aber trotzdem eine Eisenbahn bis an den Viktoriasee bauen, indem er glaubt, daß die Produktion und Samrrrelthätigkeit der Eingeborener: