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Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
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herbeigeschafften Waaren einzuhandeln, oder es sendet Eingeborene in: eigenen Auftrag und mit eigenem Kapital zum Auftaus von Produkten ins Innere, oder die Europäer dringen selbst ins Innere vor, um die Waaren an Ort und Stelle zu erlangen.

Die zweite Stnse der Kolonisation besteht in der Anregung der Eingeborenen zu produktiver Thätigkeit, sei es, daß diese im Sammeln von Naturprodukten (erste Unterstufe) oder in der Hervorbringung landwirtschaftlicher oder auch gewerblicher Erzeugnisse besteht (zweite Unterstufe). Vom kolonialpolitischen Gesichtspunkte aus betrachtet, kann die Anregung entweder eine zwangslvse sein, welche allein durch die Inaussichtstellung von wirtschaftlichem Gewinn wirken will oder aber eine zwangsweise, indem das herrschende Volk das zu kvlonisirende durch Auferlegung von Steuern und Frohnden zu erhöhter Arbeits­leistung nöthigt.

Die dritte Stufe ist die Selbstbewirthschaftung des Landes durch das herrschende Volk unter Heranziehung der Eingeborenen zur Plan- tagenarbeit (erste Unterstufe) oder zu Arbeiten behufs gewerblicher Verwerthung der im Lande gewonnenen Rohprodukte (zweite Unterstufe) oder zur Thätigkeit in Industrien, die ohne Rücksicht auf die ein­heimische Rohproduktion nur im Hinblick auf die Leichtigkeit des Ab­satzes in der Kolonie unternommen werden (dritte Unterstufe). Was über diese Stufe etwa hinausliegt nach Hübbe-Schleiden selbst­thätiges Eingreifen der Eingeborenen in die Knlturprvdnktion ist nur als selbständige, oft nicht einmal gern gesehene Entwickelung der durch die Kolonisation ins Land gebrachten Kultur-faktoren, nicht mehr als zielbewußte Kolonisation anzusehen.*)

Im wirklichen Leben sind diese Kvlonisativnsstufen niemals scharf getrennt; es werden häufig auf einer niederen Entwickelungsstufe sich schon Anfänge einer höheren zeigen, und ist diese erreicht, so wird darum noch nicht die der niederen Stufe entsprechende Thätigkeit auf­gegeben. Von: kolonisationstechnischen Standpunkte aus muß aber die Frage gelöst werden, welche dieser Stufen in ihrer Entwickelung be­sonders begünstigt werden muß, und ob und in welchen Theilen einer Kolonie alle diese Thätigkeiten nebeneinander zu entfalten sind.

I. Die Vorstufe der Kolonisation im Innern und ihre Ueber- leitung zur ersten Stufe derselben.

In Deutsch-Ostafrika haben wir in dem ganzen großen Hinter- lande des Küstengebietes erst die Vorstufe der Kolonisation erreicht. Wir legen militärische Stationen an und senden militärische Expedi­tionen aus, um die vorhandenen, von uns vorgefundenen .Kultur- faktoren: den Handel der Araber mit den Negern, soweit er unseren ethischen Anschauungen entspricht, zu schützen, soweit dies nicht der Fall

*) Die von Hnbbe-Schleiden gegebene Eintheilnng (Kolonisationspolitik und Kolonisationstechnik S. 6) steht mehr auf dem theoretischen Standpunkt der allge­meinen Volkswirthschaftslehre, während meine Emtheilnngen von dem rein prak­tischen Gesichtspunkte der kolonisatorischen Thätigkeit des herrschenden Volkes aus­geht. Jene ist eine Gliederung passiver, die meinige eine solche aktiver Faktoren.