W o v w o v k.
Aus Deutsch-Ostafrika im Frühjahr 1891 zurückgekehrt, verfaßte ich zunächst eine Arbeit, iu der ich in ähnlicher Weise wie in meinen „Brasilianischen Wirthschastsbildern" zuvörderst meine eigenen Erlebnisse und meine Thätigkeit als Direktor der Deutsch-Ostafrikanischen Seehandlung, deren Grundlagen in Afrika ich geschaffen hatte, ausführlich erzählte, und sodann in einem zweiten Theil wissenschaftliche Betrachtungen und Erwägungen anstellte. Die Mittheilungen des ersten Theils sollten an einem konkreten Beispiele das Leben des Europäers in Deutsch-Ostafrika, sowie die Schwierigkeiten darstellen, die der Vertreter einer kolonialen Gesellschaft zu überwinden hat, um die Schreibtischideen der heimathlichen Leitung der Wirklichkeit anzupassen. Zugleich hoffte ich durch eine offne Darlegung aller Beziehungen zwischen dieser Leitung und mir genügend Material beibringen zu können, um meinen schon nach einer mehr- monatlicheu Thätigkeit auf Grund gegenseitigen friedlichen Uebereinkommens erfolgten Rücktritt von meinem Amte vollständig zu rechtfertigen.
Allein schließlich mußte ich mir doch sagen, das eine derartige Darlegung, in welcher die persönliche Angriffe nothgedrungeuer Weise eine so große Rolle spielten, nicht vor die Öffentlichkeiten gehörten, zumal da ich von der andern Seite ja auch nicht öffentlich angegriffen worden war. Ich schloß daher meine Arbeit in das Pult und tröstete mich damit, daß in Afrika selbst gerade von solchen Männern, auf deren Urtheil ich den größten Werth legen konnte, meinem dortigen Wirken die größte Anerkennung zu Theil geworden war.
Die Vorbereitungen zu meinen Vorlesungen über koloniale Themata, die ich darauf in die Hand nahm, hielten mich zwar einerseits eine Zeit lang von der Wiederaufnahme der afrikanischen Arbeit ab, was ihr verhältnißmäßig spätes Erscheinen erklärt, boten mir aber andrerseits dadurch, daß sie mich zwangen, den bisher an zerstreuten Punkten iu der Praxis und der Literatur seit 7 Jahren gesammelten kolonialtheoretischeu Stoff zu sichten, zu ergänzen ünd zu ordnen, lebhafte Anregung, meine afrikanische Arbeit namentlich nach der kolonialpolitischen Seite hin zu erweitern und zu vertiefen, und veranlaßten mich, ein vollständiges kolonisatioustechnisches sowohl wie kolonialpolitisches Programm für Ostafrika zu entwerfen.
Auch die Darstellung der thatsächlichen Verhältnisse wurde einer vollständigen Neubearbeitung unterzogen, indem ich auf einen zusammenhängenden Bericht meiner Thätigkeit verzichtend einzelne Resultate derselben, soweit sie für die Erkenntniß der wirthschaftsbediugendeu Verhältnisse von Wichtigkeit erschienen, in die allgemeine Darstellung derselben verflocht, und dadurch der Arbeit ein durchaus unpersönliches, rein wissenschaftliches Gepräge zu verleihen versuchte.
Auch hoffe ich, daß sie auf alle Leser den Eindruck vollständigster Objektivität machen wird. Ganz besonders möchte ich alle Gegner unserer Kolouial- politik dringend bitten, den Versuch nicht zu scheuen, einmal ohne jede Voreingenommenheit meinen Tatsachenbericht zu prüfen. Nicht etwa aus Eitelkeit,